Mittwoch, 19. Februar 2014

Portfolio "Religion in der Literatur" - 2 Religion heute



2 Religion heute

Sehen wir uns doch einmal in unserem näheren Umfeld um. Ich bin nun 18 Jahre alt und ich muss mir ehrlich eingestehen, in die Kirche gehe ich allerhöchstens zu Weihnachten, bei Hochzeiten oder bei Begräbnissen. Ich kenne niemanden, der freiwillig öfter die Messe besucht.
Mit 16 Jahren habe ich meiner Mutter gesagt, dass ich mit 18 aus der Kirche austreten will. Für sie ist das unglaublich. Sie versuchte mich damals zu überzeugen, diese – ihrer Meinung nach – vorschnelle Entscheidung noch einmal zu überdenken.
Im Gegensatz zu den bereits beschriebenen Epochen spielen die Religion und der Glaube keine tragende Rolle mehr für die meisten Menschen in unserer Gesellschaft, zumindest nicht bewusst. Sie verspüren keinen gesellschaftlichen Druck mehr, einer Religion anzugehören und sie nach den Lehrsätzen auszuüben, die in der jeweiligen religiösen Schrift festgesetzt sind. Höchstwahrscheinlich spielt in dieser Entwicklung auch die Weltpolitik eine große Rolle. Der Staat und die Kirche sind heutzutage strikt getrennt. Jedem Menschen steht es frei, für sich die richtige Religion zu finden und sie auszuüben oder auch nicht.
Die aufkommende Religionskritik der Aufklärung, der die fortgeschrittene Forschung in den Bereichen der Naturwissenschaft zugrunde liegt, hat auch dazu beigetragen, dass viele Menschen nicht mehr glauben wollen oder können, dass es ein übernatürliches Wesen gibt, das die Weltordnung vorgibt und Menschen nach ihren Taten beurteilt.

1.1 Die moderne Gesellschaft und der Sittenkodex

Trotz der steigenden Zahl der Religionskritiker, und damit auch der Atheisten, ist es doch verblüffend, dass vor allem junge Menschen den Papst bei Besuchen verehren und sich seine Hilfe wünschen. Zudem erlangt die Literatur zu „religiöser Erziehung“ einen Aufschwung. Dies ist wohl darauf zurück zu führen, dass in der heutigen Gesellschaft Werte wie Ehre, Ehrlichkeit und Treue immer mehr an Bedeutung verlieren, jedoch Dinge wie Materialismus, Gier und Neid immer häufiger bereits bei Kleinkindern den Lebensstil bestimmen. Und das, obwohl die Moral eines Menschen einem normalerweise schon gebietet, was richtig und was falsch ist. Aber genau diese Werte finden sich auch in den zehn Geboten wieder und werden dort als gut oder böse eingestuft.

2.1 Jesus liebt mich

Der Umgang der Menschen mit der Religion heutzutage wird im Buch „Jesus liebt mich“ von David Safier eindrücklich beschrieben.

2.1.1 Inhalt

Das Buch „Jesus liebt mich“ handelt von einer durchschnittlichen Frau Mitte dreißig namens Marie, die am Beginn der Geschichte gerade mitten in den letzten Hochzeitsvorbereitungen steckt. Als sie den hiesigen Pastor Gabriel darum bittet, die bevorstehende Hochzeit in seiner Kirche veranstalten zu dürfen, wird dem Leser bereits einiges klar: Gabriel hält nicht viel von Marie, vor allem weil Marie nichts von Gott hält.
 
«Du willst also in der Kirche heiraten?», fragte Gabriel.
Nein, im Hühnerstall, hätte ich am liebsten gereizt geantwortet, erwiderte aber in möglichst nettem Tonfall: «Ja, darüber wollte ich mit Ihnen sprechen.»
«Ich habe dazu nur eine Frage, Marie.»
«Und welche?»
«Warum willst du in der Kirche heiraten?»
Die ehrliche Antwort darauf wäre gewesen: Weil es nichts Unromantischeres gibt als eine Hochzeit auf dem Standesamt. Und ich schon als kleines Mädchen von einer kirchlichen Hochzeit in Weiß geträumt habe und es auch jetzt noch tue, obwohl ich vom Kopf her natürlich weiß, dass es nichts Kitschigeres gibt, aber wer interessiert sich bei einer Heirat schon für den Kopf? Doch dies zuzugeben schien mir nicht gerade förderlich für mein Anliegen. Daher stammelte ich mit dem besten Lächeln, das ich nur zaubern konnte:
«Ich … Es ist mir ein tiefes Bedürfnis in der Kirche … vor Gott …»
«Marie, ich sehe dich hier so gut wie nie in den Gottesdiensten», unterbrach mich Gabriel scharf.
«Ich … ich … muss beruflich viel tun.»
«Am siebten Tag sollst du ruhen.»
Ich ruhte am siebten Tag, und auch am sechsten Tag, und manchmal feierte ich sogar krank, um an einem der ersten fünf Tage zu ruhen, aber das war wohl nicht das, was Gabriel
meinte.
«Du hast schon vor zwanzig Jahren in meinem Konfirmandenunterricht
an Gott gezweifelt», mahnte Gabriel.[1]

Trotz der Zweifel, die Pastor Gabriel an Maries Wunsch äußert, willigt er zuletzt doch ein, sie in seiner Kirche zu trauen. Doch Marie erkennt während der Trauzemeronie, dass sie ihren Verlobten nicht genug liebt, um mit ihm ein ganzes Leben verbringen zu können. Sie verlässt ihn vor dem Traualtar und flüchtet, nach einer kurzen und enttäuschenden Unterredung mit ihm, in ihr neues Zuhause, das Haus ihres Vaters. Dort betet sie am nächsten Tag:

Ich faltete meine Hände und betete um ein solches zu Gott: «Lieber Gott, bitte, bitte mach, dass alles wieder gut wird. Irgendwie. Keine Ahnung, wie. Hauptsache, es wird alles wieder gut. Wenn du das tust, dann gehe ich auch jeden Sonntag in die Kirche. Wirklich. Versprochen. Egal, wie langweilig die Predigten sind. Und ich gähne auch nicht und mach mir nie wieder dabei Gedanken über Jesus … Ich meine, ich mach mir schon Gedanken über Jesus, aber nicht solche wie gestern. Und ich spende auch ein Zehntel, oder wie du es nennst, den Zehnten meines Monatseinkommens für gute Zwecke … oder sagen wir doch lieber den Zwanzigsten, sonst komm ich nicht ganz so gut über die Runden. Andererseits, wenn du unbedingt willst, spende ich auch den Fünfzehnten, das würde gehen, und ich könnte mir noch ein Auto leisten … okay, okay, wenn es sein muss, spende ich eben den Zehnten! Hauptsache, ich fühle mich nicht so elend wie jetzt. Das ist mir alles Geld der Welt wert. Wer braucht schon ein Auto? Schadet eh dem Klima. Was hältst du von dem Deal? Ich werde religiös und selbstlos und spare CO2, und du machst, dass es mir wieder gutgeht? Wenn du dafür bist, gib mir ein Zeichen … oder halt, nein, nein, nein! Wir machen das anders: Wenn du dafür bist, dann gibst du mir einfach KEIN Zeichen!» Ich hielt einen Augenblick inne; wenn jetzt kein Zeichen kommen sollte, was ja nicht völlig unwahrscheinlich war und daher, wie ich fand, ein ziemlich cleveres Angebot von mir, würde alles wieder gut werden. Ich könnte glücklich sein, auch wenn ich weniger Geld hätte, mein Auto verlor und den Sonntag in der Kirche verbringen musste.
Ich hoffte so sehr, dass Gott mir kein Zeichen gab.
In diesem Augenblick fiel der vom Regen durchtränkte Putz von der Decke, genau in mein Gesicht. Frustriert stand ich auf, rieb mir das Gesicht und spuckte den staubigen Mörtel aus. Wenn es Gott tatsächlich gab, war das ein Zeichen. Und es bedeutete, er wollte auf meinen
großartigen Deal nicht eingehen.[2]

Nur kurze Zeit später erreicht ein Zimmermann namens Joshua das Haus von Maries Vater, der sich um die Reparatur des Dachstuhls kümmern sollte. Bereits nach der ersten kurzen Begegnung gelingt es Marie nur mehr schwer, den attraktiven Mann aus ihrem Kopf zu bekommen. Als sie sich am Abend desselben Tages zu einem äußert seltsamen gemeinsamen Abendessen treffen, offenbart ihr Joshua, dass er Jesus Christus sei.
In den folgenden Tagen möchte Marie Jesus näher kommen und versucht ihn unauffällig auszufragen:

„Sag mal, Joshua … hast du deine Psalmen in der Heimat auch allein singen müssen?“ Joshua blickte mich erstaunt an und antwortete dann: „Nein, das habe ich nicht.“
„Mit wem hast du sie dann gesungen?“
„Ich hatte Freunde.“
„Männer?“
„Ja, Männer.“
Also doch schwul?, fragte ich mich.
„War auch jemand dabei, den du liebtest?“ Ich ging nun aufs Ganze.
„Ich habe sie alle geliebt.“
Alle?, dachte ich entsetzt bei mir.
„Wie viele Männer waren es denn?“
„Zwölf.“, antwortete Joshua.
Ach, du meine Güte!
„Aber…doch nicht alle gleichzeitig“, kicherte ich verlegen.
„O doch, selbstverständlich.“
O mein Gott!!![3]

In den folgenden Tagen und Wochen kommen sich der mysteriöse Joshua und Marie zwar näher, nachdem sie alle Missverständnisse aus dem Weg geräumt haben, aber Jesus‘ Erscheinen auf der Erde hat auch einen Grund: die Apokalypse steht kurz bevor. Jesus verspricht Marie allerdings diese zu verschieben, wenn sie ihm anhand eines Menschen beweise, dass die Menschen das Potenzial zum Guten hätten und es auch ausschöpfen wollten. Als Marie nachfragt, was denn zu einem gerechten Leben gehöre, kommt sie allerdings in eine Zwickmühle, da sie die Bibel nicht gelesen hat:

„Alles, was du über ein gerechtes Leben wissen musst, habe ich in meiner Bergpredigt verkündet.“
Die Bergpredigt. Auweia! Von der hatte ich natürlich schon mal gehört. Bei Gabriel hatten wir sie im Konfirmandenunterricht druchgenommen, aber ich war vor lauter Liebeskummer die ganze Zeit damit beschäftigt, Zeichnungen auf meinem Block zu kritzeln, in denen mein Exfreund von den zehn Plagen nach allen Regeln der Kunst heimgesucht wurde – besonders gerne ließ ich ihn von den Heuschrecken auffressen. Wenn man mich daher jetzt gefragt hätte, was in der Bergpredigt drinsteht, hätte ich es nicht mal beantworten können, wenn mein Leben davon abhing oder, wie in diesem Fall, die Existenz der Welt.
„Du kennst doch den Inhalt der Bergpredigt?“, fragte Jesus sanft.
Ich grinste debil.
„Du kennst ihn nicht?“
Ich grinste noch debiler.
„Ich dachte, du kennst die Bibel.“, sagte Jesus nun betont streng.
„Frddl.“
Gegenüber Jesus zuzugeben, dass man die Bibel nicht kennt, ist ähnlich unangenehm, wie dem Vater zu beichten, dass man die Pille nimmt, und das schon seit zwei Jahren. Obwohl man erst 16 Jahre alt ist.[4]

Satan sucht sich während den Geschehnissen rund um Marie und Jesus seine apokalyptischen Reiter aus – Krieg, Hunger, Krankheit und Tod.
Der Reiter des Krieges ist Sven, der Mann den Marie am Altar stehen gelassen hat. Er trägt so viel unterdrückten Hass gegen Frauen in sich, dass Satan ihn dafür auserkoren hat, den unterdrückten Hass in jedem Menschen zu entfachen.
Die Rolle des Reiters von Hunger übernimmt der neue Priester von Malente, der sein Leben lang dafür gekämpft hat, einen sportlichen Körperbau zu erlangen, da er in der Schule wegen seines damaligen Umfanges oft gemobbt worden ist.
Der Reiter der Krankheit ist Kata, die Schwester von Marie, die schon seit langem gegen einen Gehirntumor ankämpft und durch diesen jahrelangen Kampf großen Hass gegen Gott entwickelt hat, der solches Unglück auf der Welt zulässt.
Der Reiter des Todes ist der Tod selbst. Er nimmt die Gestalt von Marie an – der Mensch der als erstes dem Jüngsten Gericht zum Opfer fallen wird.

2.1.2 Interpretation

In diesem Werk versucht der Autor zweifellos, den Lesern die Religion auf eine humorvolle und unterhaltende Weise wieder näher zu bringen. Im Mittelpunkt steht jedoch nicht Gott und auch nicht Jesus, sondern der durchschnittliche Mensch Marie. Sie kann durch ihre Taten, die sie aus Liebe tut, das Jüngste Gericht verschieben, Gott von dem Guten im Menschen überzeugen und sogar Jesus dazu bringen, sich in sie zu verlieben.
Im Buch stellen verschiedene Menschen immer wieder die Frage, mit der sich auch das Theodizee beschäftigt: Warum lässt Gott Leid geschehen? Die Antwort darauf ist stets die gleiche, sowohl von Pater Gabriel als auch von Gott selbst: Weil Gott uns den freien Willen gegeben hat.
Bei dem ersten Gespräch, das Marie mit Gott führt, erscheint er ihr in Gestalt von Emma Thompson. Sie trinken Tee und unterhalten sich über Jesus und das Leider auf der Welt:

Außerdem gab es da noch etwas, das ich nicht verstand: „Musste es das Kreuz sein?“
„Wie bitte?“, fragte Emma/Gott überrascht.
„Kreuzigen ist eine so qualvolle Art zu sterben, hätte es nicht auch ein Schlaftrunk getan?“
Jetzt, wo ich Joshua kannte, bewegte mich sein Leiden viel mehr als noch wenige Tage zuvor in der Kirche.
„Macht das ein liebender Vater…eine liebende Mutter?“, fragte ich mit vorwurfsvoller Stimme.
„Nicht ich, sondern die Menschen haben ihn ans Kreuz gebracht“, korrigierte mich Emma/Gott in sanftem Ton.
„Aber warum hast du es zugelassen?“ Ich ließ da jetzt nicht locker.
„Weil ich euch Menschen den freien Willen gegeben habe.“
Da waren wir wieder bei der Frage aller Fragen, die ich mir schon damals mit vierzehn bei meinem ersten Liebeskummer gestellt habe: Warum hat Gott den Menschen den freien Willen gegeben, wenn die damit so unglaublich blöde Dinge anstellen?
„Weil…“, so hob Emma/Gott an – anscheinend hatte sie meine Gedanken gelesen oder zumindest erraten –, „weil ich euch liebe.“
Ich blickte in ihre Augen, sie schien die Wahrheit zu sagen.
„Oder würdest du ohne freien Willen leben wollen, Marie?“
Bei dieser Frage schossen mir Bilder von den Menschen in Nordkorea, von Scientology-Mitgliedern wie Tom Cruise und anderen willenlosen Zombies durch den Kopf.
„Nein…“, antwortete ich.
„Siehst du.“, lächelte Emma/Gott liebevoll.[5]

Die Hauptprotagonistin Marie stellt eine typische Erscheinung in der heutigen Zeit dar: Religion spielt keine tragende Rolle in ihrem Leben. Als sie Jesus trifft und er ihr Fragen zu Gott und der Bibel stellt, wird ihr klar, wie nüchtern und uninteressiert sie solche Dinge betrachtet. Im immer wieder erwähnten Firmunterricht erklärt ihr zwar der Pfarrer Gabriel alle wichtigen Dinge über die christliche Religion, aber sie ist zu sehr mit sich selbst und dem Liebeskummer beschäftigt, der sie damals plagt. Der Firmunterricht steht auch dafür, dass sich viele Jugendliche dafür entscheiden, den christlichen Glauben auszuführen und sich bewusst für eine Firmung entscheiden, obwohl sie eigentlich keinerlei Interesse daran haben.
Der Teufel nimmt gewöhnlich die Gestalt von George Clooney an, wenn er sich unter Sterblichen bewegt. George Clooney ist heute ein Schönheitsidol und ein Traum vieler Frauen. Gerade deshalb verkörpert die Rolle des Teufels Versuchung und Verführung. Dies wird noch deutlicher, als er sich Kata zeigt – der lesbischen und kranken Schwester von Marie. Er will sie als apokalyptischen Reiter der Krankheit gewinnen, da er ihren Hass auf Gott in ihren Comic-Strips wiedererkennt:
Abbildung 7: Comic-Strip aus "Jesus liebt mich"
Da er sie in der Gestalt von George Clooney nicht überzeugen kann, nimmt er daraufhin jene von Alicia Keys an, von der Satan weiß, dass Kata eine Schwäche für sie hat. Er bietet ihr an, den Tumor ein für alle Mal zu entfernen, wenn sie ihn bei der Apokalypse unterstütze. In ihrer Verzweiflung nimmt sie diesen Deal an.
Der Pastor Gabriel ist ursprünglich der Erzengel Gabriel, hat aber sein unsterbliches Leben und seine Flügel aufgegeben, da er sich in eine Sterbliche verliebt hat – Maries Mutter. Als er auf die Erde kommt, um sie für sich zu gewinnen, verliebt sie sich jedoch in einen anderen Mann, nämlich in den zukünftigen Vater Maries‘. Diese Ehe hält jedoch nicht lange stand und sie lassen sich scheiden. Nach vielen Jahren der Sehnsucht und der unerwiderten Liebe geschieht es dann jedoch, dass sich auch Maries Mutter in den Pastor verliebt und sie beginnen eine leidenschaftliche Beziehung. Diese kleine Nebenhandlung sollte verkörpern, dass auch Unsterbliche, den Menschen erhabene Wesen in der Lage sind zu lieben. Diese Liebe hat in diesem Fall sogar dazu geführt, dass Gabriel sein gewohntes Leben und alle damit zusammenhängende Vorteile für diese eine Frau geopfert und aufgegeben hat.
Die Familienverhältnisse von Marie sind nicht einfach: Ihre Mutter ist Therapeutin und versucht sie bei jeder Gelegenheit zu analysieren und in Folge dessen die davongetragenen Schäden der frühen Scheidung zu beheben, für die sie sich schuldig fühlt, scheitert jedoch kläglich. Maries Vater hat im Internet (www.amore-osteuropa.com) eine weißrussische junge Frau kennen gelernt, sie einmal persönlich getroffen und sich sofort in sie verliebt. Zur Krönung dieses Dilemmas verkündet ihr Vater sie auch mit zur Hochzeit zu nehmen – womit Marie überhaupt nicht einverstanden ist. Sie ist überzeugt davon, dass diese 25-jährige Frau entweder nur auf das Geld ihres Vaters oder die deutsche Staatsbürgerschaft aus ist. Der Gegensatz zwischen den sich häufenden privaten Problemen und der Tatsache, dass sie als einziger Mensch Einfluss auf das Schicksal der Welt ausüben kann, verdeutlicht, dass vor Gott jeder Mensch gleich ist. Jeder Reichtum, jedes Ansehen und alle Besitztümer der Welt bedeuten nichts vor dem Antlitz Gottes. Er wählt keinen besonderen Menschen nach vergänglichen Merkmalen aus, sondern nach der Stärke, die jedem von uns innewohnt, der Liebe, die wir anderen Menschen geben und den Beweggründen unserer Taten.
Mit Witz, Charme und einer Hauptprotagonistin, mit der sich viele Menschen identifizieren können, schafft es David Safier die Leser zum Nachdenken anzuregen: Was mache ich in meinem Leben falsch? Wie werde ich glücklich? Kann Gott mir helfen? Und schließlich: Sollte ich der Religion und Gott mehr Bedeutung in meinem Leben beimessen?


2.3 Gott bewahre


2.3.1 Inhalt

Der Autor John Niven hat das Buch in sechs Teile unterteilt. Die ersten Kapitel finden im Himmel statt. Gott kehrt von seinem einwöchigen  Urlaub zurück und stellt entsetzt fest, dass sich die Erde samt Menschen in den letzten 400 Jahren vollkommen verändert hat, obwohl er nur kurz weg war. Denn ein Tag im Himmel entspricht 57 Jahren auf der Erde. Umweltverschmutzungen, falsche Interpretationen der Bibel und Fundamentalisten drohen die Erde zu zerstören.
Sofort wendet sich Gott an seinen Sohn Jesus, der vorübergehend die Stellung halten sollte. Doch dieser relaxt gemütlich mit seinen Freunden, Musik und Joints. Nach Besprechungen mit Petrus, Satan und Mohammed entscheidet Gott, dass Jesus zur Erde zurückkehren muss, um die Menschen zu führen und das einzig wahre Gebot „Seid lieb“ zu verbreiten.

Auf der Erde in New York City angekommen, unterstützt Jesus Obdachlose, Drogenabhängige, Homosexuelle, aber auch AIDS-kranke Menschen.  Schlichtweg Menschen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Auf Drängen seiner Freunde hin, bewirbt sich Jesus bei Amerikas bekanntester Castingshow und versucht im Fernsehen die Menschen von seiner These „Seid lieb“ zu überzeugen. Ihm gelingt es ganz Amerika zu begeistern und Jesus verdient mit Interviews und Werbung  haufenweise Geld.

Nach der Show erbauen er und seine „Jünger“ ein großes Lager in Mexiko und über 100 Menschen schließen sich ihm an. Jedoch hat sich Jesus unbewusst viele Feinde gemacht, wie beispielsweise Pastoren und die FBI, da diese glauben, Jesus und seine Anhänger handeln mit Drogen und missbrauchen Kinder. Die FBI greift das Lager an und viele Menschen werden bei einer Schießerei getötet. Jesus wird verhaftet und kommt ins Gefängnis. Sein Urteil: Vollstreckung.

Als Jesus nach seinem Tod abermals im Himmel ankommt, ist sein Vater trotz allem sehr stolz auf ihn. Denn viele Menschen folgen nun dem Gebot „Seid lieb“ und gehen netter miteinander um.

2.3.2 Interpretation


Der Roman beschreibt die zweite Reise von Jesus auf die Erde sehr humorvoll, aber auch skandalös. Denn Jesus raucht Joints, liebt Schwule und unterstützt Drogenabhängige. Gott und seine Anhänger werden im Buch ganz anders dargestellt, als wir Christen uns das jemals vorgestellt haben.
Der Autor hält der Menschheit einen Spiegel vor  und zeigt moralische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme offen auf. Dazu zählt beispielsweise die Diskriminierung verschiedenster Bevölkerungsgruppen, obwohl jeder Mensch gleich ist und die gleichen Rechte besitzt. Des Weiteren wird die Zerstörung unsere Erde angesprochen.  Zigtausende Quadratkilometer Regenwald werden abgeholzt, riesige Müllmassen schwimmen im Pazifik, der Mensch tötet wilde Tiere, um mit diesen Profit zu schlagen. Diese Aufzählung lässt sich noch lange weiter führen, da der Mensch sich heutzutage einfach alles nimmt, was er will, ohne auf weitere Generationen zu achten. Und warum? Natürlich des Geldes wegen, da Geld die Welt regiert. Außerdem zeigt der Autor die Konsumsucht von Menschen auf. Immer mehr Güter kommen auf den Markt und die Leute werden mit Werbung und unnützen Artikeln regelrecht überschüttet.

Deshalb fühlt sich so gut wie jeder Leser angesprochen, denn wir alle zerstören gemeinsam unsere Erde. Aber vor allem Schwulenhasser, korrupte Politiker und geldgierige Unternehmer werden verurteilt. Dem Leser wird deutlich gemacht, dass wir Menschen versuchen sollten, weniger auf sachliche Dinge Wert zu legen, sondern vielmehr auf das Miteinander.

Doch auch der religiöse Wert kommt in diesem Werk auf keinen Fall zu kurz. Denn Gott ist es laut dem Buch viel wichtiger, nett miteinander umzugehen, als ihn stundenlang anzubeten. Außerdem ist es falsch, sich gegenseitig wegen des Glaubens umzubringen oder Kriege zu führen. Denn jedem steht es selbst zu, an wen oder an was er glaubt. Zudem wird auch der Papst als sehr negativ beschrieben, wie folgendes Textbeispiel zeigt:

„Und ein anderer, ebenfalls nicht unbedeutender Haufen betet einen Clown in Rom an, der allen Ernstes beigetragen hat, Kindesmissbrauch zu vertuschen. Er sitzt im Vatikan. Scheiße, er sollte im Gefängnis sitzen. [6]

Des Öfteren wird der Papst vom Autor ins Visier genommen und angeklagt. Der Grund dafür: in den letzten Jahren hat sich oftmals Misstrauen gegenüber der Kirche in den Menschen breitgemacht. Die Medien berichten von mutmaßlichem Missbrauch von Kindern, aber auch von versteckten Vermögen durch Bischöfen. Diese Berichte tragen dazu bei, dass christlichen Ideen immer weniger Beachtung geschenkt wird. Das bestätigt auch eine österreichische Umfrage, laut dieser beispielweise nur 30% glauben, dass Jesus von den Toten auferstanden ist.
Des Weiteren darf im Buch jeder Mensch Frau und Familie haben, auch Jesus selbst, denn auf Keuschheit und Sex erst nach der Ehe wird im Buch nicht sehr viel Wert gelegt. Wer in unserer Kultur heutzutage keusch lebt, gilt als altmodisch. Doch in anderen Kulturen ist Keuschheit immer noch ein großes Thema und vor allem Frauen halten sich daran, um Reinheit und Unversehrtheit zu vermitteln. 

Der Autor möchte den Lesern klar vermitteln, dass in der heutigen Zeit vor allem die Liebe zueinander im Fokus steht. Jeder Mensch sollte frei entscheiden an wen er glaubt, ohne Druck von außen.
John Niven versucht zweifelsohne mit dem Buch zu schockieren und das gelingt ihm eindeutig. Jedoch ist das Buch sicherlich nicht für jedermann geschaffen. Der Leser sollte nicht alles wortwörtlich oder zu ernst nehmen.

Die Probleme unserer heutigen Gesellschaft werden auf einer realistischen Ebene angesprochen und der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, sondern spricht Klartext. Meiner Meinung nach, steht der Humor an allererster Stelle und zudem unsere Welt und Religion aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Konservativen Menschen ist das Buch auf keinen Fall zu empfehlen, viel mehr jungen Menschen, die Lust auf Neues haben.
Das Buch wird von witzigen, aber auch tiefgründigen Zitaten begleitet, die den Leser dazu bringen, genauer darüber nachzudenken.
Abschießend möchte ich einige dieser nennen:

„Alle Seelen müssen weinen, wenn sie in kleinen Babys erwachen und feststellen, dass sie weit weg vom Himmel sind. Literatur. Das war schon eine verdammt feine Sache. Dafür war Er ihnen wirklich dankbar.“

„Glaubt ihr etwa, dass Jesus, wenn er wiederkommt, noch jemals ein beschissenes Kreuz sehen will? Das wäre ja, als würde man Jacqueline Kennedy da oben besuchen und einen Anhänger in Form eines Scharfschützengewehres um den Hals tragen…“

„Wir wissen nicht, was sie im Himmel machen. Aber was sie nicht machen, wird uns ausdrücklich gesagt.“[7]




[1] Jesus liebt mich, David Safier, Rowohlt Digitalbuch, Position 15 bis 34
[2] Jesus liebt mich, David Safier, Rowohlt Digitalbuch, Position 527 - 541
[3] Jesus liebt mich, David Safier, Rowohlt Digitalbuch, Position 1181-1192
[4] Jesus liebt mich, David Safier, Rowohlt Digitalbuch, Position 2709 - 2720
[5] Jesus liebt mich, David Safier, Rowohlt Digitalbuch, Position 3134 - 3145
[6] Gott bewahre, John Niven, Taschenbuch, Ausgabe 12/1012
[7] Gott bewahre, John Niven, Taschenbuch, Ausgabe 12/2012

Portfolio "Religion in der Literatur" - 1 Religion im Laufe der Zeit



1 Die Religion im Laufe der Zeit

1.1 Die frühe Zeit

8. bis 10. Jahrhundert
Die Zeit der Völkerwanderung ist vorbei und die Kulturen der Germanen vermischen sich mit denen der römischen und somit auch mit dem Christentum, was ihre bisherige Lebensweise von Grund auf verändert. Religiöse Schriften und Bücher im Allgemeinen werden von Mönchen in ihren Klöstern niedergeschrieben. Junge Mönche erlernen die lateinische Sprache anhand der Bibel und theologischer Schriften, sie sind somit die einzige Schicht der Gesellschaft die des Lesens und Schreibens mächtig ist. Die Klöster entwickeln sich zu Zentren des geistigen Lebens und das Leben eines Mönches ist somit geprägt vom Lernen und Lehren.

1.1.1 Werke und Autoren

Der Großteil aller überlieferten Werke ist in der lateinischen Sprache verfasst. Überlieferte christliche Dichtungen aus dieser Zeitspanne ist zum Beispiel das umfangreiche Epos „Heliand“ von einem unbekannten Sachsen, welcher über ein weitreichendes Wissen verfügt hat. Dieses Epos ist im Auftrag von König Ludwig entstanden und behandelt die Inhalte der Bibel, um sie den Menschen in ihrer Sprache vorlesen zu können. Der Dichter schafft es, die vier Evangelien in eine Erzählung einzuarbeiten, was man Evangelienharmonie nennt. Da die Religion einen großen Einfluss auf den Wohlstand der Gesellschaft ausübt, hat der Autor auch germanische Vorstellungen und Überzeugungen – betreffend ihrer Auffassung des Schicksals – eingearbeitet und so an die Denkweise der Menschen angepasst, um ihnen das Verständnis zu erleichtern. Dieses Werk soll die frohe Botschaft von Gottes Liebe und seiner Ansicht von Recht und Unrecht wiedergeben, nach dem die Menschen ihr Leben führen sollen.
Als ein weiteres Beispiel dieser frühzeitigen christlichen Literatur lässt sich „Muspilli“, geschrieben von einem unbekannten Autor, nennen. Bei Muspilli handelt es sich um ein Schriftstück aus dem 9. Jahrhundert, bei welchem Anfang und Ende fehlt. Der Titel bedeutet so viel wie „Weltuntergang durch Feuer“ und gliedert sich in zwei Teile. Im ersten streiten sich Teufel und Engel um die Seele eines eben verstorbenen Menschen, was Ähnlichkeit mit dem viel jüngeren Werk „Faust“ von Goethe aufweist. Im zweiten Teil schildert der Autor eindrucksvoll den Weltuntergang, als sich der Antichrist, welcher auf der Seite Satans steht, und Elias, welcher sich für Gott einsetzt, bekämpfen. Als das Blut Elias‘ auf die Erde tropft beginnt der Weltuntergang, der von einer Zusammenfassung über Recht und Unrecht gefolgt wird. Schließlich tritt das Heer des Himmels auf, das Lebende und Toten vor das himmlische Gericht stellt, der Ort, an dem niemand etwas verbergen kann. So werden jene, die in ihrem Leben gesündigt haben, bestraft.

1.2 Das Hochmittelalter

12. bis 13. Jahrhundert
Im Hochmittelalter gibt es drei Stände: die Bauern, die Ritterschaft und die Geistlichkeit, auch Klerus genannt. Im Laufe der Geschichte betrachtet die Gesellschaft die Geistlichen immer mit Ansehen. Sie sind immer in den obersten Reihen der Stände vertreten und üben so einen großen Einfluss auf das einfache Fußvolk aus. Die Geistlichkeit teilt man in dieser Zeitepoche ein in Mönche und Weltgeistliche, außerdem unterscheidet man zwischen niederen und höheren sogenannten „Weihen“. Wie bereits weiter oben beschrieben, gelten die Mönche in der frühen Zeit als Kulturträger. Nun lösen sie allerdings die Ritter in dieser Rolle ab. Die Ritter wissen über das Leid und die Bestrafung Bescheid, welche ihnen droht, wenn sie sich nicht ehren- und tugendhaft verhalten. Das ständige memento mori ist ein Wegbegleiter aller, und damit auch die Religion.
Durch den damaligen niederen Wissensstand – im Gegensatz zu heute – sind die einfachen Menschen leichtgläubig und erzittern vor Angst, wenn sie hören was ihnen alles im Leben nach dem Tod zustoßen könnte, wenn sie ihr Leben nicht nach den festgeschriebenen Regeln der Bibel, also von Gott selbst, gestalten.
Die Mönche sind immer noch gleichzeitig Gelehrte, und somit auch Dichter und Schreiber. Im Hochmittelalter entwickelt sich erstmals eine einheitliche Dichtersprache, in der keine Dialektwörter und derbe Ausdrücke aufscheinen. Die Großteil der literarischen Werke sind religiöser Natur und immer noch in lateinischer Sprache verfasst. Doch langsam entwickelt sich eine eigene Gruppe von Dichtern und daraus höfische Dichter.

1.2.1 Werke und Autoren

Wolfram von Eschenbach behandelt in „Parzival“ die Legende der Grals, welche auch in der heutigen Zeit viel Stoff für Verschwörungstheorien und Gerüchte bietet. Heutzutage spricht man, wenn man vom Gral spricht, von dem Kelch Jesus‘, in welchem er bei seinem letzten Abendmahl das Wasser in Wein gewandelt hat und ihn mit seinen Jüngern geteilt hat. In Parzival handelt es sich bei dem Gral um einen nicht irdischen Stein, dem eine göttliche Kraft innewohnt. Er spendet den Gralshütern Speis und Trank und verspricht ewiges Leben.
Parzival wird im Wald aufgezogen, flieht jedoch und möchte Ritter werden. Er wird dazu erzogen, nicht so viel zu reden, und dies nimmt er allzu wörtlich. Es geschieht, dass er die Gralsburg findet, es aber niemandem erzählt. Daraufhin handelt er sich die Ungunst der Gralsbotin ein, auf die er mit Hass auf Gott reagiert. Solange er sich dieser Feindschaft Gott gegenüber nicht entledigt, ist er dazu verdammt, ewig umherzuirren und den Gral nie wieder zu finden. Doch an einem Karfreitag bahnt sich seine innere Wandlung an: Er lässt sein Pferd ohne Befehle laufen und landet bei einem Einsiedler. Dort verweilt er vierzehn Tage und verlässt ihn als Gralskönig. Durch seine Lektion ist er über das Amt des Arthusritters hinausgewachsen. Aus Parzival erfährt man, dass der Grund für das Tun eines Ritters nicht im Hochmut liegt, sondern in der Bereitschaft Gott zu dienen und sich ihm voll und ganz zu unterwerfen. Das Ideal des christlichen Ritters ist somit Gott zu dienen und der Welt zu gefallen.

1.3 Renaissance, Humanismus, Reformation

15. bis 17. Jahrhundert
Die Renaissance ist eine geistige Bewegung, welche die Wiedergeburt der Antike zum Ziel hat. Man will sich mehr dem Diesseits zuwenden – und das mit voller Lebenslust und Freiheit, sowohl im Glauben als auch in politischer Hinsicht.
Humanismus bezeichnet eine Bestrebung der Wissenschaftler, die Menschen durch Bildung zu veredeln, was die Menschen der Antike ihrer Meinung nach bereits geschafft haben. Aus dieser Strömung entwickeln sich Einzelwissenschaften, in denen sich viele Menschen spezialisieren und so zu mehr Wissen gelangen können. Diese fokussierten Forschungen hinsichtlich der Wissenschaft, stehen in großem Gegensatz zu den theologischen Überzeugungen dieser Zeit. So kommt es zu Auseinandersetzungen und Streitigkeiten zwischen Kirche und Wissenschaft. Ein berühmtes Beispiel dafür sind Kopernikus und Galileo Galilei, die das kirchliche geozentrische Weltbild durch ihr Modell – dem heliozentrischen – wiederlegen. Die Kirche ist der Auffassung, dass die Erde und somit auch Rom, der Mittelpunkt der Erde sei und nicht wie Galileo mutmaßte, die Sonne. Im Kapitel „Religion und Wissenschaft“ gehen wir noch näher auf diese Thematik ein.
Die Reformation bedeutet eine religiöse Bewegung zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Begründer der daraus resultierenden Kirchenspaltung ist Martin Luther, der seine 95 Thesen an die Tore der Schlosskirche in Wittenberg nagelt. Es folgen Streitigkeiten zwischen den Anhängern von Luther und den Anhänger des römischen Papsttums. Luther übersetzt das Neue Testament vom Griechischen und das Alte Testament aus dem Hebräischen ins damalige Deutsche. Durch seine Übersetzung kritisiert er die Paptisten maßgeblich, denn nach seiner Übersetzung wird klar, dass der Mensch selbst zu Glaubenswahrheiten finden kann und somit nicht auf die Kirche angewiesen ist. Außerdem stellt er fest, dass kein Ablassbrief der Welt nötig ist, um die eigene Erlösung zu erlangen. Jeder ist selbst für sein Schicksal verantwortlich. Die Gnade Gottes und die Erlösung Christi können die Menschen von ihren Sünden befreien und so vor dem allseits gefürchteten Fegefeuer gerettet werden. Die Kirche hat bis zu diesem Zeitpunkt die vehemente Auffassung vertreten, dass der Mensch sich nur vor einem qualvollen Leben nach dem Tod retten kann, wenn er sich und seine Verwandten mit einem Ablassbrief freikauft.
Auch heute noch weckt diese gravierende Fehlinformation der Kirche gegenüber ihrer naiven und gläubigen Anhänger Misstrauen in die Kirche und deren Oberhäupter. Der Ablasshandel gilt als Verrat an den Grundsätzen der Kirche und an Gott selbst. Die damaligen Oberhäupter haben die Unwissenheit der verzweifelten Menschen ausgenutzt, um neue Paläste zu bauen, unter anderem den Petersdom, und sie außerdem im Glauben gelassen, nur den Zahlenden erwartet das Paradies nach dem Tod.
Die literarischen Werke driften immer mehr auseinander. Durch die Erfindung des Buchdruckes können Werke außerdem schneller weiterverbreitet werden und so erfahren auch immer mehr Bürger Bildung. Für das breite Fußvolk entstehen so etwa volkstümlich-unterhaltende Werke epischer und dramatischer Art, Komödien, Satiren, Predigten oder religiöse Streitschriften. Man entfernt sich dabei zwar stetig etwas mehr von religiösen Inhalten, doch sie spielen immer noch eine große Rolle im Leben jedes Einzelnen. Für Gelehrte ist das Standardwerk lateinisch geschriebener Herkunft.
Martin Luther schafft es nebenbei mit Kirchenliedern, die Gemeinschaft der Gläubigen zu vereinen und ihnen durch den gemeinsamen Gesang Hoffnung zu geben.

1.4 Das Barock

17. Jahrhundert
Protestanten und Katholiken kämpfen im 30-Jährigen Krieg gegeneinander und ziehen eine Spur der Verwüstung durch die Länder. Viele Gebiete sind nicht mehr bewohnbar und viele Menschen fallen Kämpfe, Seuchen und dem allwährenden Hunger zum Opfer. Die Pest verbreitet sich aufgrund des Krieges schneller als sie es ohne getan hätte und verursacht noch mehr Leid bei den vom Schicksal gerüttelten Menschen.
Die Fürsten auf den Fürstenhöfen lassen sich unterdes von ihren Untertanen als göttlich feiern und verehren. Die Ambivalenz zwischen den einfachen Bürgern, die in Not und Elend leben und dem Adel steigert sich noch, als riesige und prunkvolle Schlösser mitsamt großen Gartenanlagen gebaut werden und der Adel Tag und Nacht ausgelassene Feste feiert. Die Gesellschaft teilt sich nun ein in Herrschende, Vornehme und Untertanen. Diese Ständeordnung wird als gottgegeben hingenommen.
Gottes Rolle ist in dieser Zeit klar festgelegt: er entsendet die Fürsten in seinem Auftrag und diese haben nur vor ihm Rechenschaft abzulegen. Die Konfession des Landesherrn ist außerdem Pflicht für alle seine Untertanen und wer sich nicht fügt, wird verbannt oder verbrannt. Zudem werden Hexenverbrennungen im Namen der Kirche angeordnet, auf die wir später noch genauer eingehen werden. Neben den Hexenverbrennungen stehen auch Judenverbrennungen auf dem Tagesplan. Sie werden jedoch meist nicht aus religiösen, sondern aus finanziellen Gründen gejagt und nicht selten auch verjagt.
Aufgrund der wichtigen Stellung Gottes wundert es nicht, dass auch die Literatur und die Kunst des Barocks oftmals von christlichen Motiven geleitet werden.

1.4.1 Werke und Autoren

Wichtige literarische Werke sind zum Beispiel „Der abenteuerliche Simplicissimus“ von Grimmelshausen, „Buch der deutschen Poeterey“ von Martin Opitz und „Ibrahim“ von Daniel Casper von Lohenstein. In allen literarischen Werken erhält Gott eine Rolle und alle Werke sollen der Erziehung des Menschen dienen.

1.5 Die Aufklärung

18. Jahrhundert
Die Aufklärung ist von den zwei Strömungen Rationalismus und Empirismus geprägt. Sie besagen, dass alles durch den Verstand erklärbar sein muss, damit es wahrhaftig wahr ist. Diese Strömungen haben auch bei der Kirche Veränderungen hervorgerufen. Die Lehrsätze der beiden Kirchen sind im 16. Jahrhundert erstarrt. Der Pietismus ist eine neue Bewegung, die die Kirche und deren Lehrsätze reformieren möchte und eine Erneuerung des frommen Lebens herbeisehnt. Die Aufklärung bietet den Grundstein der Religionskritik und der Hinterfragung der festgelegten Lehrsätze und Lehren der Kirche. Vor allem die katholische Kirche erlebt während der Zeit der Aufklärung viel Kritik, da sie ihre Macht missbraucht.
Viele Menschen erkennen, dass die Lehrsätze des 16. Jahrhunderts bei Gebrauch der Vernunft und des Verstandes anzweifelbar sind. Die Menschen wollen jedoch trotz aller Kritik und allen Zweifeln an den kirchlichen Dogmen an einer Religion festhalten können, die jedoch auch nachvollziehbar und vernünftig ist und deshalb nicht vollständig auf reinem Glauben beruht. So entstehen die „Vernunftreligionen“. Der „Deismus“ zum Beispiel besagt, dass Gott zwar die Welt erschaffen habe danach jedoch nicht mehr in ihre Geschichte eingegriffen hat.
Die religiöse Literatur übernimmt die Rolle eines Lehrers, der den Menschen Moral beibringen sollte, aufgrund derer dann alle die richtigen Handlungen ausführen können, die im Auge der Kirche als „richtig“ gelten.

1.5.1 Werke und Autoren

So behandelt Gotthold Ephraim Lessing in seinem Werk „Nathan der Weise“ zum Beispiel die Frage nach der „wahren“ Religion. Ein weiteres Werk Lessings aus dieser Zeit ist „Emilia Galotti“. Doch auch zu dem Thema „Vorurteile gegenüber anderen Religionen“ gibt es später mehr.
Das meistzitierte Werk der deutschen Literatur erscheint erstmals Ende des 18. Jahrhunderts und behandelt das Motiv einer Wette zwischen Gott und dem Teufel – Goethes Faust. Die Moral dieses Werkes lässt sich immer wieder finden: Das Böse gewinnt keine Überhand über das Gute, denn:
„Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange
Ist sich stets des rechten Weges bewusst.“[1]
Faust wird im Folgenden noch im Kapitel „Religion und Wissenschaft“ ausführlich behandelt.

1.6 Die Romantik

18. und 19. Jahrhundert
In der Romantik spielt die Poesie eine zentrale Rolle. In der poetischen Literatur findet der Autor in jedem noch so kleinen Teil der Natur etwas Schönes und Anmutiges, das es zu beschreiben lohnt. Die ursprüngliche Wildheit und Schönheit der Natur sei durch die „modernen“ Epochen und Denker zerstört bzw. in den Hintergrund gerückt. Durch die Aufklärung und der beiden Strömungen Rationalismus und Empirismus sei der Mensch dazu erzogen worden, in jedem Ding die Nützlichkeit und Verwertbarkeit zu erforschen, was für die Romantiker verwerflich ist, denn in jeder Sache steckt göttliches und nur das Bestehen von so vielen Dingen ist Grundlage für das Sein.
Die Romantik legt ihr Augenmerk auf Wunderlichkeiten, Unbekanntes, Mythen und die Fantasie. Dadurch lehnt sie die Naturwissenschaften ab, da sie keine Geheimnisse mehr lassen. Umso mehr sehen sie den Glauben als Idealvorstellung um die Poesie zu leben, da jeder Glaube von Unwissenheit geprägt ist und sich somit fantastische Erklärungen sucht für alles Existierende. Folglich sehen die Romantiker das Mittelalter als die perfekte Zeit an, da damals alle Menschen im Glauben vereint gewesen sind.
Für die Dichter der Zeit ist Gott in der Natur zu finden, viele von ihnen machen sich alleine auf Wanderschaft, um näher zu Gott und dadurch auch näher zu sich selbst zu finden. Alle romantischen Gedichte sind geprägt von einer unstillbaren Sehnsucht nach verschiedenen Dingen oder Menschen.
Viele Romantiker hegen eine Vorliebe für Volksmärchen, da in ihnen alles passieren kann und somit der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Die Religion spielt in diesen Werken jedoch nur eine unbedeutende Rolle, da die Geschehnisse meist von Magie durchzogen gewesen sind.

1.6.1 Werke und Autoren

Wichtige Autoren dieser Zeit, die sich in ihren Werken von der Religion und Gott inspirieren haben lassen, sind Clemens Brentano und Joseph von Eichendorff.
Weihelied zum Ziel und Ende
(Clemens Brentano)
Herr, Gott, dich will ich preisen,
Solang mein Odem weht,
O hör auf meine Weisen,
O sieh auf mein Gebet.
Bin ich im Himmel oben,
Da lern ich andern Sang,
Da will ich hoch dich loben
Mein ewig Leben lang.
Jetzt laß dir wohlgefallen
Mein treu einfältig Lied
Muß doch ein Kindlein lallen,
Wenn es die Mutter sieht.
Nun hab ich auch gesehen,
Wie du so väterlich,
Will nun nichts mehr verstehen
Als dich, mein Vater, dich.
Ich saß in meiner Kammer,
Sah trüb ins Leben hin,
Die Seele rang in Jammer,
Voll Sorge war mein Sinn;
Da floß ein heilig Sehnen
Mir in das öde Herz,
Da brach mein Blick in Tränen
Und schaute himmelwärts.
Da war dein Himmel offen,
Stern traf in Augenstern,
Mein Glauben, Lieben, Hoffen
Fand Gnade vor dem Herrn.
Das Lied, das ich verschwiegen,
Das Lied, das leis ich sang,
Sah ich die Engel wiegen
In Davids Harfenklang.
Und sah, den ich gerühret
Mit meinem Lerchensang,
Zum Herrn von mir geführet
Auf einem Dornengang.
Er sang mit mir zusammen
Mit selgem Flug und Fall,
In Gottes Liebesflammen,
Trotz Lerch, trotz Nachtigall![2]
In diesem Gedicht wird klar, dass Clemens Brentano die Vereinigung mit Gott als das höchste Ziel betrachtet, das ein Mensch erreichen kann. Gott gibt ihm Trost und Hoffnung, außerdem steht für Brentano außer Frage, dass es sich bei Gott um einen liebenden und barmherzigen Gott handelt. Er singt dieses Gedicht zu Ehren Gottes und die Wortwahl verdeutlich eine starke Sehnsucht nach ihm und seiner Liebe und Gnade.
Mondnacht
(Joseph Freiherr von Eichendorff)
Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis' die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.[3]
Im Gedicht Mondnacht lässt vor allem die letzte Strophe auf eine Sehnsucht nach Gott schließen, denn „nach Haus“ könnte auch sinnbildlich für die Einkehr bei Gott im Paradies bedeuten.

1.7 Das 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert ist geprägt vom Vormärz und damit auch der Biedermeierzeit. Die Literatur erlebt zwar einen Aufschwung, aber die Religion steht dabei nicht im Vordergrund. Die Hauptmotive der Autoren sind das Liebliche, Beschauliche und Behagliche. Anscheinend haben sich die Schriftsteller in einer Zeit der Industrialisierung zurückgesehnt in eine einfache und gemütliche Welt.


[1] Johann Wolfgang von Goethe – Faust, der Tragödie erster Teil
[2] Geist und Kleid, Weihelied zum Ziel und Ende – Clemens Brentano, Rütten & Loening Verlag, Potsdam
[3] Mondnacht, Joseph von Eichendorff, 1830

Donnerstag, 19. September 2013

Kulturportfolio - 5 Von damals bis heute



5 Von damals bis heute

Es war einmal ein junges Mädchen namens Sophie. Ihr Zuhause war eine heimelige Hütte nahe einem dunklen Wald. Ihre Eltern lebten mit ihr in diesem Häuschen. Ihr Vater hackte gelegentlich in dem nahegelegenen Wald Holz für einen geringen Lohn und ihre Mutter arbeitete zu Hause. Ihre wenigen Freunde lebten alle in der Stadt in der man nach ungefähr einer Stunde Fußmarsch angelangte. Sophie durfte nicht zur Schule gehen, ihre Mutter erklärte ihr, dass das nur Jungs dürften. Sie fand das schade, ihre Neugier war geradezu grenzenlos und alles was neu war, interessierte sie zutiefst. Es war gerade Sommer und zurzeit besonders heiß und schwül. Da Sophie ihrer Mutter gerne beim Kochen half, ging sie eines Tages in den Wald um Kräuter zu suchen. Die kühle Waldluft bot eine willkommene Abwechslung zur drückenden Schwüle auf den offenen Feldern. Sie sprang mit ihrem Körbchen hin und her, ständig auf der Suche nach den duftenden Kräutern und Pilzen. Sie war froh aus dem Haus gehen zu dürfen. Gerade als Sophie die Tür schloss, meinte sie gehört zu haben, wie ihr Vater und ihre Mutter anfingen zu streiten. Das kam häufig vor, aber das Mädchen schlich sich dann immer nach draußen, um das alles nicht mit anhören zu müssen. Manchmal hörte sie sogar, wie ihr Vater ihrer Mutter schlug. Ihre Mutter so zu sehen tat ihr sehr weh, doch sie wusste, dass man sich als Frau nicht gegen die Männer auflehnen durfte. Ein einziges Mal war es bis jetzt vorgekommen, dass sie ihre Mutter gegen den Vater verteidigen wollte, doch sie kassierte dadurch nur eine Tracht Prügel. Dieses Ereignis wird ihr ewig im Gedächtnis bleiben, denn noch nie sah sie so große Angst in den Augen ihrer Mutter aufflackern. Aber sie wollte nicht länger an die schlimmen Dinge denken, also konzentrierte sie sich weiter auf das Kräuter und Pilze suchen. Doch es dauerte nicht lange und ihre Gedanken schweiften wieder ab.
Morgen war Sonntag und sie freute sich schon sehr darauf, ihr schönes selbstgemachtes Kleid in die Kirche anzuziehen mit den schicken Sonntagsschuhen, die ihre Mutter ihr mit dem ersparten Geld als Weihnachtsgeschenk gekauft hatte. Aber abgesehen von den schönen Kleidern freute sie sich außerdem darauf, den Sohn des Wirtes von dem Gasthaus in der Stadt wieder zu sehen. Sie wusste, dass sie keine gemeinsame Zukunft vor sich hatten, zumal ihr Vater bereits einen „tüchtigen und ehrbaren“ Mann für sie ausgesucht hatte, den sie heiraten sollte, um ein besseres Leben führen zu können als ihre Eltern. Aber trotzdem genoss sie die Zeit, die sie mit ihm verbringen konnte, sei sie noch so rar. Auf dem Weg in die Stadt sah Sophie immer wieder denselben Bettler am Wegesrande sitzen. Da sie von ihren Eltern gut erzogen worden war und es ihr im Herzen schmerzte, an einem so armen Mann vorbeizugehen, gab sie ihm jedes Mal entweder etwas Kleines zu essen, oder ein paar Münzen, die sie von ihrem eigenen Ersparten opferte.
Wenn sie dann in der kleinen Stadt ankamen, war es immer dasselbe Szenario: wohin sie ihre Köpfe wandten, überall begegneten ihnen Blicke der Verabscheuung. Die Städter hielten sich gemeinhin für etwas Besseres, deshalb versuchte Sophie sich besonders elegant und höflich zu geben, sobald sie einen Fuß in die Stadt setzte. Nach der Kirche trafen sich die Städter in dem Gasthaus. Sie tanzten, lachten und aßen gemeinsam an einem Tisch. Meistens wurden die neuesten Gerüchte beredet. Sophie erfuhr vor einigen Wochen, dass eine Frau, welche ein ungeborenes Kind gebar, aus der Stadt verbannt wurde und nie wieder zurückkehren durfte.
Vollkommen in ihre Gedanken und Träume versunken, übersah sie eine große Wurzel, über die sie nun stolperte. Sie stoß sich den Kopf an einem Stein und wurde bewusstlos. Jemand schrie „Sophie! Sophie!“ Nach wenigen Minuten – oder waren es nur Sekunden? – wachte sie wieder auf.

Sophie lag in ihrem Bett und dachte über den merkwürdigen Traum nach. Alles fühlte sich so real an, als wäre sie gefangen in jener Zeit in jenem Körper des Mädchens. Bald war der Traum vergessen, sie blickte auf die Uhr und sah, dass sie verschlafen hatte und ihre Mutter sie aufgeweckt hatte. Kurz überlegte sie, ob sie heute von der Schule zu Hause bleiben sollte, sie hatte sowieso keine Lust darauf. Doch dann entschloss sie sich, dass sie diesem Tag schon noch irgendwie überstehen würde, es war sowieso Freitag. Sie stand vor ihrem Kleiderschrank und konnte sich wieder einmal nicht entscheiden was sie anziehen sollte. Sie hatte so viele Kleidungsstücke, die sie eigentlich nie anzog und mit all den Stücken fast 2 Kleiderschränke voll. Trotzdem entschied sie sich spontan am Nachmittag shoppen zu gehen. Sie ging die Stufen nach unten, an ihrem Vater vorbei und fragte ihn im Vorbeigehen was es heute zu Mittag gäbe. Da Sophie die Antwort nicht gefiel, schuf sie ihm kurzerhand an, etwas Anderes zu kochen, was besser schmecken würde. Ihre Mutter war die Chefin eines großen Konzerns und war deshalb sehr selten zu Hause. Ihr Vater war öfter zu Hause und kümmerte sich um sie, so gut es eben ging. Doch bei den vielen Freunden oder Affären seiner Tochter, machte er sich nicht einmal ansatzweise die Mühe, den Überblick zu wahren und auf dem Laufenden zu bleiben. Als sie das Haus verließ, joggte sie zur Bushaltestelle und fuhr damit die kurze Strecke in die Schule. Dort angekommen tratschte sie sofort mit ihrer Freundin über den heutigen Abend. Sie planten bereits seit Wochen, dass sie an diesem Freitag bis spät in die Nacht ausgehen würden, um sich ein paar Jungs anzulachen. Beide freuten sich schon sehr darauf und diskutierten darüber, was sie wohl anziehen sollten.
Auf dem Weg ins Einkaufscenter sahen die beiden Freundinnen einen Bettler auf dem Straßenrand sitzen. Sie sahen sich an, begannen laut zu prusten und machten sich sogar über ihn lustig. Als er schließlich aufstand und ging, äfften sie ihn nach, bis er außer Sichtweite war. Sie folgten weiter dem Weg in das Shopping-Center. Dabei rannten sie an dutzenden Städtern vorbei, die gehetzt ihrem Alltag nachgingen und die Menschen in ihrem Umfeld nicht allzu große Beachtung schenkten.
Am Abend tranken beide so viel, dass sie nicht mehr richtig bei Sinnen waren. Nachdem ihnen die Jungs langweilig wurden, verließen sie den Club und machten sich auf den Heimweg. Da sie auf High-Heels unterwegs waren und sie beide bereits über die Grenzen angeheitert waren, geschah es, dass eine der beiden Mädchen eine Gehsteigkante übersah und mit dem Kopf hart auf dem Asphalt aufschlug. Die Andere bückte sich schnell und versuchte ihre Freundin aufzuwecken. Sie schrie „Sophie! Sophie!“. Doch dieses Mal wachte sie nicht mehr auf.