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Mittwoch, 19. Februar 2014

Portfolio "Religion in der Literatur" - 5 Vorurteile gegenüber anderen Religionen



5 Vorurteile gegenüber anderen Religionen

5.1 Nathan der Weise

Gotthold Ephraim Lessing veröffentlicht dieses Werk 1779.

5.1.1 Inhaltsangabe

5.1.1.1 Erster Aufzug

Die Geschichte spielt in Jerusalem zur Zeit des Waffenstillstandes nach dem 3. Kreuzzug. Das Drama beginnt damit, dass der reiche jüdische Nathan von einer Reise nach Hause zurückkehrt, wo er erfährt, dass in seinem Haus ein Brand gewütet hat, dem seinen Pflegetochter nur knapp entkommen konnte und das auch nur wegen der Hilfe eines christlichen Tempelherren. Dieser Tempelherr ist ursprünglich gefangen genommen, doch kurz vor der Vollstreckung von Sultan Saladin befreit worden, da er seinem Bruder Assad, der seit langer Zeit als verschollen gilt, so ähnlich sähe. Daja hat bereits versucht, sich redlich bei ihm zu bedanken, doch er hat sie bisher immer kalt abgewiesen.
Nathan erfährt von dem Derwisch Al-Hafi über die prekäre finanzielle Lage des Sultans.
Al-Hafi kann sich Schatzmeister des Sultans nennen und bittet seinen Schlachtfreund Nathan um Geld, welcher die Bitte jedoch ablehnt.
Der Tempelherr gilt seit längerem als verschwunden, obwohl er des Öfteren „unter Palmen auf und nieder“[1] wandle. Als er wieder gesehen ward, schickt Nathan Daja zu ihm, um ihm seinen tief empfundenen Dank auszusprechen.
Auf den Tempelherrn tritt indes ein Klosterbruder zu, der vom Patriarch geschickt worden ist um den Tempelherrn um zwei Dinge zu bitten: Er solle einen Brief an König Phillip überbringen, der wichtige Kriegsinformationen beinhalte und als er diesen Gefallen ausschlägt, ein Attentat auf den Sultan Saladin ausüben. Der Tempelherr lehnt diese Bitten jedoch ab, er ist sich seiner Schuld dem Sultan gegenüber durchaus klar, denn nur dank seiner Handlung lebt er noch.
Als Daja ihm nach der Begegnung mit dem Klosterbruder anspricht und ihn in das Haus des Juden einladen möchte, rechtfertigt er seine Ablehnung mit seiner Ablehnung gegenüber Juden und damit, dass er es zwar nicht bereue, das Mädchen gerettet zu haben, wohl aber das nächste Mal vorher nachfragen werde, wer denn in dem Haus verbrenne, bevor er wieder einen Juden rette.
„Tempelherr. Ja, ja, verfolgen.
Ich will nun einmal Euch nicht weiter sehn!
Nicht hören! Will von Euch an meine Tat
Nicht fort und fort erinnert sein, bei der
Ich nichts gedacht; die,, wenn ich drüber denke,
Zum Rätsel von mir selbst mir wird. Zwar möcht‘
Ich sie nicht gern bereuen. Aber seht;
Ereignet so ein Fall sich wieder: Ihr
Seid Schuld, wenn ich so rasch nicht handle; wenn
Ich vorher erkund – und brennen lassen
was brennt.
Daja. Bewahre Gott!
Tempelherr. Von heut an tut
Mir den Gefallen wenigstens, und kennt
Mich weiter nicht. Ich bitt Euch drum. Auch laßt
Den Vater mir von Halse. Jud‘ ist Jude.
Ich bin ein plumper Schwab. Des Mädchens Bild
Ist längst aus meiner Seele; wenn es je
Da war.“[2]

5.1.1.2 Zweiter Aufzug

Saladin und seine Schwester Sittah spielen Schach, beenden die Partie jedoch, da Saladin einen zerstreuten Eindruck macht. Seine Gedanken drehen sich um die Christen, die den Waffenstillstand nicht verlängert haben und somit einem weiteren Kreuzzug nichts mehr im Wege steht. Saladin beteuert sein Bedauern um den anhaltenden Krieg, denn er hat gehofft, dass die Christen ebenso wie er dazu gewollt sind, die Waffenruhe weiter fort zu führen.
Saladin lässt nach seinem Schatzmeister rufen, um ihn nach weiteren Geldgebern zu fragen. Sittah schlägt vor, Al-Hafis reichen Freund Nathan um eine Leihgabe zu fragen. Al-Hafi möchte seine erfolglosen Bitten jedoch vor seinem Herrn verheimlichen und weicht den Fragen des Sultans immer wieder aus, bis er schließlich verschwindet.
Nach dem komischen Verhalten des Derwischs, grübeln Sittah und Saladin darüber nach, was ihn zu diesem Herumdrucksen verleitet haben könnte. Sittah betont, dass ihr der Derwisch erzählt habe, dass Nathan ein edler und weiser Mann sei, der zudem noch frei von Vorurteilen und mit einem offenen Herzen ausgestattet sei. Während des Gesprächs reift in Sittahs Kopf ein Plan heran, wie sie ohne Gewalt an das Geld gelangen können.
Daja berichtet Nathan, dass der Tempelherr bald um die Ecke käme, woraufhin sie sich mit Recha im Haus „versteckt“. Nathan fängt ihn ab und spricht zu ihm. Der Tempelherr wehrt sofort weitere Dankestiraden des Juden ab und erklärt, dass es seine Pflicht als Tempelherr gewesen ist, das Mädchen aus dem Feuer zu retten. Im folgenden Dialog findet der Tempelherr Zusehens mehr Gefallen an der toleranten Sichtweise von Nathan, welcher seine Überzeugung vertritt, dass jeder Mensch gleich sei mit dem einzigen Unterschied der „Farb‘“ der Kleidung und der Gestalt. Der Tempelherr spricht ihn darauf an, dass es die Juden gewesen sind, die als allererste Religion ihre als die einzig wahre angepriesen haben. Dieser Stolz habe sich dann auf den Christ und auf den Muselmann vererbt. Nathan bittet um Freundschaft, als der Tempelherr ihn verlassen möchte, und argumentiert wie folgt:
„Nathan. Ha! Ihr wißt nicht, wie viel fester
ich nun mich an Euch drängen werden.
-Kommt,
Wir müssen, müssen Freunde sein! – Verachtet
Mein Volk so sehr Ihr wollt. Wir haben beide
Uns unser Volk nicht auserlesen. Sind
Wir unser Volk? Was heißt denn Volk?
Sind Christ und Jude eher Christ und Jude,
Als Mensch? Ah! wenn ich einen mehr in Euch
Gefunden hätte, dem es gnügt, ein Mensch
Zu heißen!“[3]
Die beiden Männer schließen nach ihrer Unterredung Freundschaft. Beide sind positiv überrascht über die Einstellung des Anderen und zeigen sich froh, jemanden gefunden zu haben, der dieselben Sichtweisen vertritt und eine kritische Haltung einnimmt, ohne alle Vorurteile als wahr hinzunehmen.
Kurz nach der Schließung der Freundschaft erzählt Daja Nathan, dass der Sultan ihn sehen wolle. Der Tempelherr und Nathan unterhalten sich noch kurz über den Sultan und verabreden sich für den gleichen Tag noch. Als Nathan ihn nach seinem Namen fragt, erwidert er, er heiße Curd von Stauffen. Nathan kommt der Name Stauffen sehr bekannt vor, wimmelt den Gedanken jedoch ab und verfolgt ihn erst weiter als der Tempelherr ihn verlassen hat. Nun erfährt der Leser, dass ein Freund von
Nathan – Wolf – ihm sehr ähnlich ist.
Nathan erzählt Daja, dass sie bald den Tempelherrn zu erwarten habe. Nach dem kurzen Gespräch erreicht der Derwisch Al-Hafi das Haus von Nathan. Dieser erfährt erst von Nathan, dass der Sultan nach ihm schickt und versucht ihn vor seinem Gemüt zu warnen. Am Ende des Gesprächs unterrichtet Al-Hafi Nathan davon, dass er von nun an nicht mehr am Hofe des Sultans arbeite und Jerusalem für immer verlasse.

5.1.1.3 Dritter Aufzug

Daja spricht mit Recha über ihre Zukunft und offenbart ihr, dass ihr am liebsten wäre, wenn sie nach Europa ginge, „zu dem Volk, für welches sie geboren wurde“.[4] Daja und Reche haben offensichtlich schon öfter darüber diskutiert, Recha kann sich die Beweggründe von Daja dafür jedoch nicht vor Augen führen.
Als der Tempelherr bei ihnen zu Hause erscheint, empfinden beide bald eine innige Zuneigung füreinander. Der Tempelherr verabschiedet sich jedoch um Nathan aufzusuchen.
Daja und Recha wundern sich über das plötzliche Verschwinden des Tempelherrn und erklären es sich mit den plötzlich aufwallenden Gefühlen, denen er sich nicht imstande sah zu erwehren.
Bei dem Treffen des Sultans und von Nathan, fragt Saladin ihn die Frage aller Fragen: Die Frage nach der einzig wahren Religion – Christentum, Judentum oder Islam.
Nathan denkt eine Weile darüber nach und erklärt sich mit der berühmten Ringparabel.
Ein Ring, mit der Macht vor Gott und Mensch beliebt zu erscheinen, wird von Generation zu Generation an den liebsten Sohn dieser einen Familie weitergegeben und kennzeichnet das Oberhaupt der Familie. Als der Vater sich nicht zwischen seinen drei Söhnen entscheiden kann, lässt er zwei Kopien anfertigen, welche sich in keinster Weise vom Original unterscheiden. Jeder der drei Söhne erhält einen Ring und beginnen zu streiten, wer denn nun das Oberhaupt der Familie sei. Allerdings kann man den richtigen Ring nicht nachweisen, ebenso wenig wie den richtigen Glauben.
Alle Religionen gründen sich auf eine überlieferte Geschichte und diese Geschichten müssten von jedem einzelnen erst angenommen werden. Jede Geschichte und jeder Glaube wird von den eigenen Eltern übermittelt und so in das alltägliche Leben integriert. So steht es niemandem zu, die eigenen Vorfahren Lügner zu strafen, nur um den Vorfahren anderer nicht zu widersprechen, denn niemand bezweifelt das, was man von klein auf liebevoll erlernt hat.
Als die drei Söhne vor einen Richter treten, der entscheiden solle, wer denn nun den richtigen Ring trüge, weist dieser ein Urteil ab. Er kommt zu dem Schluss, dass der richtige Ring wohl verloren gegangen sei, da bei allen die Fähigkeit beliebt zu machen nur für sich selbst wirkt. Jeder der drei solle jedoch die Wahrhaftigkeit des Ringes beweisen, in dem sie ihren Sanftmut, ihre Verträglichkeit, ihr Wohltun und ihre innigste Ergebenheit in Gott beweisen sollen. Laut dem Richter wird sich der richtige Ring erst nach vielen Jahren zeigen. Saladin gesteht, dass der Richter recht gehabt hat und dass diesen bereits vergangenen Jahren noch viele weitere folgen werden.
Nathan gibt ihn als Dank für die Begnadigung des Tempelherrn Geld, um ihn aus seiner schwierigen finanziellen Lage zu befreien. Saladin lässt nach dem Tempelherrn rufen – das Ebenbild Assad soll sich auch seiner Schwester Sittah zeigen und er soll außerdem das Geld überbringen.
Der Tempelherr ringt mit sich – er spürt die Liebe zu Recha, kann sich aber mit dem Gedanken, dass er als Christ sich mit einer Jüdin vereinen soll, nicht sofort anfreunden. Er erkennt jedoch, dass die vorurteilslose Ansicht der Ereignisse eine bessere sei, die dem himmlischen Willen entspricht.
Nathan erkundigt sich ausweichend nach dem Namen des Vaters des Tempelherrn, als dieser ihn um die Hand von Recha bittet. Er lautet Conrad von Stauffen.
Der Tempelherr eröffnet Daja gegenüber seine Liebe zu Recha, welche ihm daraufhin gesteht, dass Recha eigentlich keine Jüdin sei, sondern eine Christin und von Nathan nur aufgenommen worden sei. Der Tempelherr zeigt sich erbost darüber, dass es sich ein Jude anmaßt, eine Christin als Jüdin zu erziehen.

5.1.1.4 Vierter Aufzug

Der Tempelherr sucht nach dieser schockierenden Nachricht den Rat des Patriarchen. Er erzählt ihm die Geschichte und der Patriarch bekennt den Juden sofort für schuldig und würde ihn für diese Lastertat hinrichten lassen.
Als er bei Saladin eintrifft, verstehen sich die beiden von Anfang an gut und er willigt ein, bei ihm zu bleiben. Der Tempelherr erzählt dem Sultan von der jüdischen Erziehung der christlichen Recha. Als der Tempelherr daraufhin aufbrausend wird, möchte der Sultan gerne als Vermittler dienen und lässt nach Nathan schicken. Er und seine Schwester spekulieren über die Mutter des Tempelherrn und befinden außerdem, dass er kein Recht auf Recha hat.
Der Klosterbruder eröffnet Nathan, dass er es gewesen ist, der vor 18 Jahren Nathan das Christenkind übergeben hat. Sein Vater ist Wolf von Filnek gewesen, welcher das Kind nicht behalten hat können. Nathan berichtet, dass einige Tage vor der Übergabe des Kindes seine eigene Familie – seine Frau und seine sieben Söhne – von Christen getötet worden ist. Die Mutter von Recha ist laut dem Klosterbruder auch eine Stauffin gewesen, er lässt Nathan jedoch ein Buch mit allen Verwandtschaftsbeziehungen zukommen.

5.1.1.5 Fünfter Aufzug

Der Tempelherr erkennt, dass Nathan der wahre Vater von Recha ist, unabhängig von der Religion und dem leiblichen Vater, denn er hat sie zu dem gemacht, das sie heute ist und in diese Person hat sich der Tempelherr verliebt.
Indes weiß nun auch Recha, dass sie eigentlich eine Christin ist, denn Daja hat es ihr erzählt.
Nathan löst nun die ganzen verstrickten Geschehnisse auf:
Der Tempelherr ist Leu von Filnek und nicht Curd von Stauffen, denn dieser ist eigentlich der Onkel des Tempelherrn, der ihn großgezogen hat. Sein wahrer Vater ist Wolf von Filnek. Damit ist folgendes klar: der Tempelherr ist Rechas Bruder, denn Rechas wirklicher Name ist Blanda von Filnek. Daraufhin erkennt auch Saladin, dass der Vater von den beiden, also Wolf von Filnek, sein verschollener Bruder Assad gewesen ist.
Am Ende sind also verschiedene Glaubensrichtungen innerhalb einer großen Familie zu finden, welche trotz dieser kleinen Differenz vereint ist.

5.1.2 Interpretation

Abbildung 19: Gotthold Ephraim Lessing
Wir schreiben das Jahr 1779. Gotthold Ephraim Lessing veröffentlicht ein Werk, nämlich „Natan der Weise“. In seinen Schriften versucht der Autor den Leser zu erziehen und das Bürgertum nicht nur zu toleranteren Menschen zu Formen, sondern ihnen auch ein Auge für verschiedene Sichtweisen anzueignen, durch welche sie folglich zur Kritik fähig sein würden. Diese Erziehung der Menschen durch Lessing trägt auch einen Teil dazu bei, dass das Selbstbewusstsein des Bürgertums sie dazu befähigt, sich gegen den Adel aufzulehnen und zu verstehen, welche Tatsachen die Obrigkeit, die Gelehrten und vor allem die Kirche ihnen bisher entweder ganz verschwiegen oder falsch weitergegeben haben. Im Drama „Nathan der Weise“ steht die Toleranzidee im Mittelpunkt der Geschehnisse. Das Drama folgt einem klaren Aufbau: Einleitung, Spannungsaufbau/Vertiefung, Höhepunkt, retardierendes Moment und Katastrophe bzw. die Lösung.
Der Leser steht am Anfang direkt mitten in den Geschehnissen und erfährt auch sofort von den ungewöhnlichen Verhältnissen, die zu Hause herrschen: Ein jüdischer Geschäftsmann kehrt von einer Reise zurück nach Hause, wo eine christliche Erzieherin und die im jüdischen Glauben erzogene Tochter des Juden auf ihn warten. Dann erfährt man, dass ein christlicher Tempelherr, welcher von einem muslimischen Sultan begnadigt worden ist, die Tochter des Juden aus einem Feuer befreit hat, jedoch keinen Dank für diese Tat vernehmen möchte. Hier wird bereits klar, dass die Glaubensrichtungen eine zentrale Rolle spielen werden und durch die Verschiedenheit der miteinander verbundenen Hauptprotagonisten ein naher Konflikt unweigerlich bevorsteht.
Saladin und seine Schwester Sittah spielen im 2. Aufzug im ersten Auftritt gegeneinander Schach. Allein, dass eine Frau bei einem Männerspiel zugegen sein „darf“ und dass Saladin seine Schwester als eine ebenbürtige Gesprächskameradin anerkennt, zeigt, dass Lessing hier den Gleichheitsgedanken Mann und Frau betreffend eingebaut hat. Auch während der nachfolgenden Auftritte werden Frauen nie als unterwürfig oder dem Mann unterlegen dargestellt sondern eher als stark und eigenwillig.
Während des Gesprächs, gibt Saladin unter anderem zu bedenken, dass Sittah immer noch unverheiratet sei und sie ihn gerne mit dem „Bruder Richards“ verkuppeln wolle. Ihm schwebt das Bild eines starken Herrschergeschlechts vor, welches den Krieg und die Kreuzzüge beenden könne – nämlich ein moslemisch-christliches. Doch Sittah nimmt daraufhin eine feindselige Stellung gegenüber den Christen ein: Sie verurteilt sie allesamt als arrogant und gibt außerdem zu bedenken, dass der Stolz der Christen es vorsieht, dass sich Braut und Bräutigam vorher zum Christen taufen lassen müssen, sofern einer der beiden anderer Religion ist, was sie überhaupt nicht einsieht. Dass Saladin jedoch die Christen in Schutz nimmt und eher die fragwürdigen Interessen der Tempelherrn in Frage stellt, soll den Leser dazu auffordern selbst nachzudenken, was denn einen guten Menschen auszeichnet und ob dies wirklich von der Religion abhinge. Saladin nimmt jene kritische Haltung gegenüber Sittahs Vorurteile ein, die sich Lessing auch von der Bevölkerung erhofft.
Auch der Darwisch nimmt in der darauffolgenden Szene eine kritische Haltung gegenüber seinem jüdischen Freund Nathan ein und verteidigt ihn.
„Al-Hafi. Zur Not wird er Euch Waren borgen.
Geld aber, Geld? Geld nimmermehr.-Es ist
Ein Jude freilich übrigens, wie’s nicht
Viele Juden gibt. Er hat Verstand; er weiß
Zu leben; spielt gut Schach. Doch zeichnet er
Im Schlechten sich nicht minder, als im Guten
Von allen andern Juden aus.-Auf den,
Auf den nur rechnet nicht.-Den Armen gibt
Er zwar; und gibt vielleicht trotz Saladin.
Wenn schon nicht ganz so viel; doch ganz so gern;
Doch ganz so sonder Ansehn. Jud‘ und Christ
Und Muselmann und Parsi, alles ist
Ihm eins.“[5]
Hier zeigt sich erstmals die tolerante Haltung Nathans, die als Leitbild für alle Menschen gelten soll. Doch auch in der Szene, in der Nathan und der Tempelherr Freundschaft schließen, überzeugt ihn Nathan mit seiner Einstellung gegenüber anderen Glaubensrichtungen. Der Tempelherr jedoch ist vor der Unterredung mit Nathan voreingenommen gegenüber Juden und bereut fast schon, ein Judenmädchen gerettet zu haben. Außerdem nimmt er gegen Nathan eine feindselige Stellung ein.
„Nathan. […] womit
Kann man Euch dienen?
Tempelherr. Ihr? Mit nichts.
Nathan. Ich bin
Ein reicher Mann.
Tempelherr. Der reichre Jude war
Mir nie der beßre Jude.“[6]
Doch mit dieser oft zitierten Aussage überzeugt Nathan den Tempelherren.
„[…] Was heißt denn Volk?
Sind Christ und Jude eher Christ und Jude
Als Mensch? […]“[7]
Lessing appelliert hier an alle Menschen, denn durch diese Aussage wird erst vielen klar, dass sie vielleicht mit ihrer Sichtweise nicht den Menschen erfassen, der in jedem steckt, sondern nur das von ihnen bereits gefertigte Bild, das alle Vorurteile gegen die jeweilige Glaubensrichtung miteinschließt.
Die Ringparabel gilt als Höhepunkt des Stückes, in dem Lessing den Großteil der zentralen Botschaft bereits eingearbeitet hat. In dem Gleichnis verkörpern die handelnden Personen die essentiellen Mitspieler in dem Schauspiel um Nathan. Der Vater verkörpert den gütigen Gott, der allen Menschen Liebe entgegenbringt. Die drei Ringe symbolisieren die drei monotheistischen Religionen, also den Islam, das Christentum und das Judentum, die drei Söhne stehen für die Gläubigen und der Richter steht meiner Meinung nach auch für Gott.
Der Richter steht d
eshalb auch für Gott, da Lessing schreibt:
„Nathan. […] Und wenn sich dann der Steine Kräfte
Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
So lad ich über tausend tausend Jahre
Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
Als ich; und sprechen. […]“[8]
Gott wird beim Jüngsten Gericht über die Gläubigen richten und dort sehen, ob sie ein Leben geführt haben, wie er es von ihnen verlangt hat, nämlich eines in der „Sanftmut, herzliche Verträglichkeit, Wohltun und innigste Ergebenheit in Gott“ jeden Tag bewiesen und in den Taten der Menschen wiedergespiegelt werden. Durch diesen Schluss der Parabel, steht Gott am Anfang und am Ende. Jeder hat die Chance, zu beweisen, dass seine Religion die richtige ist. Und vor Gott ist jede die richtige, wenn man in ihrem Namen Gutes schafft.
Die Aussage der Ringparabel ist unumstritten jene, dass sich keine Religion die „wahre“ nennen kann oder sollte. Jeder Mensch ist liebevoll von den eigenen Eltern in der angestammten Glaubensrichtung erzogen worden und jede Familie lebt die damit einhergehenden Traditionen mehr oder weniger aus. Niemand vermag es, die eigene Religion zu verleugnen, genauso wenig wie die anderen Religionen. Die Menschen sollen die ihre Religion für die „wahre“ Religion für sich betrachten, denn niemand besitzt das Recht andere aufgrund ihres Glaubens zu verurteilen.
In der Schlussszene offenbart sich trotz der Verkettung scheinbar unglücklicher Zufälle – der christliche Tempelherr verliebt sich in die jüdische Tochter, welche eigentlich Christin ist, was wiederum Nathan als den Bösen dastehen lässt – eine Lösung, die eine zerbrochene und getrennte Familie vereint. Durch die komplizierten Verwandtschaftsbeziehungen aller Hauptprotagonisten erkennt man am Ende, dass in dieser Familie alle drei Religionen gelebt werden und es trotz dieser Tatsache für niemanden ein Problem darstellt, mit ihren Verwandten zu verkehren und sie vor allem als solche zu akzeptieren. Alle umarmen sich schlussendlich und verkörpern damit die Weltfamilie, welche auch von unterschiedlichen Glaubensbekenntnissen durchzogen ist. Lessing stellt damit das Idealbild des Zusammenlebens dar, ein Zusammenleben aller Menschen, in denen alle ohne Vorurteile miteinander umgehen und kommunizieren können, also eine Welt, in der jedes Menschenleben den gleichen Stellenwert einnimmt.
Die Hauptaussage dieses Werkes ist unverkennbar: alle Religionen haben den gleichen Stellenwert bzw. sollten es haben. Eine Familie oder Freundschaften beruhen nicht auf Gemeinsamkeiten im Glauben sondern auf Verständnis auf menschlicher und sozialer Ebene. Toleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen oder Kulturen und Ländern sollte in jedem Menschen ein fester Bestandteil sein. Außerdem bläut Lessing dem Leser einen gewissen Sinn für Kritik ein, indem er ihm immer wieder vor Augen hält, welchen Unterschied eine andere Sichtweise denn machen kann.
In der Zeit des Nationalsozialismus ist dieses Werk verboten worden, wegen den falschen Informationen die Juden betreffend und weil es sie als gleichgesinnte und gleichberechtigte darstellt.
Heute werden die Menschen vor allem von Vorurteilen gegenüber dem Islam überschüttet. Seit dem 11. September 2001 sind nämlich grundsätzlich alle Islamisten Terroristen. In einer modernen Zeit, in der sich alle Menschen Informationen aus allen möglichen Quellen beschaffen können, empfinde ich es als eine noch größere Schande für die Menschen, die aufgrund dieser mediengelenkten Vorurteile, Personen mit islamischen Glauben als potenzielle Gefahr einstufen und sie sogar meiden. Offenbar haben wir leider noch nicht begriffen was „friedliches“ Zusammenleben und Toleranz bedeutet.


[1] Nathan der Weise, G.E. Lessing, Digitale Ausgabe, Erster Aufzug, Erster Auftritt, Position 61
[2] Nathan der Weise, G.E. Lessing, Digitale Ausgabe, Erster Aufzug, Sechster Auftritt, Position 380 - 389
[3] Nathan der Weise, G.E. Lessing, Digitale Ausgabe, Zweiter Aufzug, Fünfter Auftritt, Position 658 - 662
[4] Nathan der Weise, G.E. Lessing, Digitale Ausgabe, Dritter Aufzug, Erster Auftritt, Position 783
[5] Nathan der Weise, G.E. Lessing, Digitale Ausgabe, Zweiter Aufzug, Zweiter Auftritt, Position 541 - 545
[6] Nathan der Weise, G.E. Lessing, Digitale Ausgabe,  Zweiter Aufzug, Fünfter Auftritt, Position 623
[7] Nathan der Weise, G.E. Lessing, Digitale Ausgabe, Zweiter Aufzug, Fünfter Auftritt, Position 660
[8] Nathan der Weise, G.E. Lessing, Digitale Ausgabe, Zweiter Aufzug, Fünfter Auftritt, Position 1018 -1023

Portfolio "Religion in der Literatur" - 4 Mysteriöse Bruderschaften



4 Mysteriöse Bruderschaften

4.1 Religiöse Geheimbünde und Bruderschaften

Opus Dei, Illuminati, Freimaurer – Beinahe jeder ist imstande mit solchen Begriffen etwas anzufangen. Man kennt sie unter Bezeichnungen wie  „Geheimbünde,“ „Bruderschaften“ und „Sekten“. Doch was sind sie wirklich? Handelt es sich um gefährliche Sekten, die Satan anbeten oder sind sie harmlose Gemeinschaften, die gemeinsame Gebete durchführen? Alle verfolgen ein gemeinsames Ziel: Sie möchten die Gesellschaft mit ihren Ideen reformieren. Geheimbünde wie die Templer sind dabei eher religiös motiviert, wobei die Freimauer sich eher humanistischen Ideen widmen. 
Viele Bruderschaften möchten im Verborgenen bleiben, da sie in früherer Zeit häufig von Gegnern verfolgt worden sind. Daher erweisen sich sogenannte Aufnahmerituale häufig als sehr schwer und alle Mitglieder sind zur Geheimhaltung verpflichtet. Nach der Aufnahme wird das neue Mitglied mit den Bräuchen, Ritualen und Zielen der Gemeinschaft bekannt gemacht. Angeblich existieren solche Geheimbünde schon seit über zweitausend Jahren. Der wohl bekannteste Geheimbund, welcher sich bereits im 14. Jahrhundert gegründet hat, sind die Freimaurer. Diese haben weltweit ungefähr fünf Millionen Mitglieder und orientieren sich an den fünf Grundidealen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.

Eine weitere bekannte Organisation ist die Opus Dei, welche sich an einem festgelegten Lebensplan orientieren und mithilfe diesem ihren Alltag mit Gebeten und verschiedenen Übungen verbringen. Außerdem beschäftigt sich die Organisation mit Seelsorge und geistlicher Bildung.

Wenn heutzutage jemand das Wort Sekte hört, bringt man dieses sofort mit Satan und Teufelsanbetung in Verbindung, da wir Menschen haufenweise Vorurteile gegenüber solchen Organisationen haben. Früher hat man als Sekte eine religiöse Minderheit bezeichnet, aber heute zählen dazu auch esoterische Praktiken oder einfache Bibelrunden. Sekten sind meist Abspaltungen von einer Religion, beispielsweise die Zeugen Jehovas, die in Österreich als Religionsgemeinschaft anerkannt worden sind. Deshalb darf man Sekten nicht in Verbindung mit illegalen Organisationen bringen, denn in Österreich und vielen anderen Ländern hat jeder Mensch das Recht der Religionsfreiheit
Wenn man die meisten Glaubensgemeinschaften genauer betrachtet, stellen sie sich als harmlos heraus. Sie verfolgen die gleichen Glaubensvorstellungen und einigen sich zu regelmäßigen Treffen. In solchen Gemeinschaften steht das Miteinander an erster Stelle.

Trotzdem verbindet man mit Geheimbündnissen etwas Mystisches und Geheimnisvolles. Deshalb bauen Autoren wie Dan Brown solche Bruderschaften in ihre Romane ein, um das Buch spannender und den Leser neugierig zu machen. 

4.2 Illuminati

4.2.1 Inhalt


Im Schweizer Labor CERN wird der Kernforscher Leonardo Vetra tot aufgefunden. Der Mörder hat auf seiner Brust das Wort „Illuminati“ eingebrannt. Daraufhin lässt der Generaldirektor den berühmten Professor der Harvard Universität Robert Langdon einfliegen, um mit seiner Hilfe den rätselhaften Mord aufzuklären. Vetras Tochter Vittoria offenbart ihnen, dass ihr Vater vor seinem Tod Antimaterie erschaffen hat, die den Beweis für den Urknall bildet. Diese gefährliche Antimaterie ist dazu fähig, alles im Umkreis von einem Kilometer komplett zu vernichten. Die Antimaterie ist jedoch von dem Geheimbund Illuminati gestohlen worden und wird nur noch 24 Stunden mit Energie versorgt.
Robert und Vittoria erfahren, dass sich die Antimaterie im Vatikan befindet und daher machen sie sich auf den schnellsten Weg auf nach Rom. Denn durch die Explosion würde der komplette Vatikan zerstört werden und alle Kardinäle, die sich derzeit beim Konklave befinden, getötet. Das Motiv des Geheimbunds Illuminati ist nicht weiter verwunderlich, da diese seit Jahrhunderten das Ziel verfolgen, die katholische Kirche zu zerstören.
Durch einen anonymen Anrufer weiß die Schweizergarde und Langdon, dass die vier Favoriten der Papstwahl entführt worden sind und zu jeder Stunde ab 20 Uhr auf einem Altar der Wissenschaft ermordet werden.
Im vatikanischen Geheimarchiv finden Robert und Vittoria Geschichte über den Pfad der Erleuchtung, der zum geheimen Sitz der Illuminati führt. Die erste Station befindet sich in einer Kirche, in der sie den ersten toten Kardinal entdecken, mit dem Brandzeichen „Erde“ auf seiner Brust. Um 21 Uhr kommen sie zum zweiten Ermordeten mitten auf dem Petersplatz. Auf seiner Brust prangt das Wort Luft. Doch auch zum nächsten Tatort kommt Langdon zu spät. Der spanische Kardinal befindet sich in der Kirche Santa Maria della Vittoria erhängt. Auf seiner Brust prangt da Wort „Feuer“.Der Täter entführt dabei auch noch Vittoria. Der Letzte der entführten Kardinäle wird in einem Brunnen ertränkt und auf seiner Brust lässt sich das Wort „Wasser“ wiederfinden.
Doch Langdon gelingt es den Auftragsmörder aufzuspüren und mithilfe von Vittoria tötet er diesen. Inzwischen befindet sich der Generaldirektor Kohler von CERN in einer Besprechung mit dem Camerlengo. Der Generaldirektor wird erschossen, da alles darauf hindeutet, dass er der Kopf der Illuminati ist, da der Camerlengo ebenfalls  gebrandmarkt ist. Vor seinem Tod überreicht Kohler Langdon unauffällig einen kleinen Camcorder.
Auf dem Weg ins Krankenhaus täuscht der Camerlengo vor allen Menschen auf dem Petersplatz eine göttliche Eingebung vor und findet in den Katakomben die Antimaterie. Zusammen mit dieser fliegen er und Langdon über den Petersplatz weit nach oben und genau um Mitternacht explodiert die Antimaterie. Der Camerlengo rettet sich mithilfe eines Fallschirmes und Langdon springt in den Tiber.
Als Langdon im Krankenhaus die Aufnahme auf dem Camcorder anschaut, findet er heraus, dass der Camerlengo den Auftragsmörder für die vier Kardinäle  engagiert und den Papst getötet hat. Zudem hat der Papst vor vielen Jahren ein Kind gezeugt. Deshalb hat der Camerlengo nur unter Vorwand der Illuminati den Papst getötet.
Jedoch erfährt er, dass das Kind durch künstliche Befruchtung entstanden ist und somit kein Verstoß gegen das Keuschheitsgelübde besteht. Außerdem ist der Camerlengo selbst das Kind des ehemaligen Papstes und hat somit unwissend seinen eigenen Vater getötet.

4.2.1 Interpretation


Das Buch Illuminati von dem berühmten Autor Dan Brown handelt von dem Geheimbund Illuminati, der angeblich schon seit Jahrhunderten bis heute existiert. Das Ziel des Bundes besteht darin Freiheit für jeden Einzelnen zu erreichen und somit die Menschen aufzuklären. Daher ist es nicht sehr weit hergeholt, dass die Kirche und die Illuminati verschiedene Ziele verfolgen. Jedoch gibt es keinerlei Beweise, dass der Geheimbund heute immer noch existiert, vielmehr soll dieser nicht lange bestanden haben. Dem Leser stehen zwei Möglichkeiten offen: Entweder er liest den Roman ohne Hintergrundwissen und lässt sich von den Verschwörungen über die Illuminati hinreißen, oder er geht dem Geheimbund, beispielsweise im Internet, nach und wird dadurch sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn wie bei seinen vorherigen Büchern, schreibt Brown über zahlreiche Legenden und Vermutungen, welche sich im Laufe der Geschichte zugetragen haben sollten, jedoch entsprechen diese nur selten der Wahrheit.

Außerdem zeigt der Autor den Konflikt zwischen Wissenschaft und Glaube auf, der schon seit Jahrhunderten besteht. Denn wer glaubt schon an ein übernatürliches Wesen, wenn alles auf der Erde beweisbar ist? Des Weiteren zeigt das Buch, dass die katholische Kirche in den letzten Jahren viele Anhänger verloren hat, beispielsweise  wegen den Missbrauchsfällen oder schlichtweg weil zahlreiche Menschen das Interesse an Gott, Glaube und Kirche verloren haben. Viele Leute, vor allem die jüngere Generation, gehen nur noch zu Weihnachten in die Kirche oder wenn eine Hochzeit ansteht. Unbestreitbar lässt sich feststellen, dass Religion in unserer Region in den letzten Jahren immer unwichtiger geworden ist. Sofort stellt man sich die Frage, warum das so ist. Wahrscheinlich geht es uns Menschen zu gut, da wir in Frieden und Überfluss leben.

Der Leser erhält im Buch einen sehr guten Einblick in den Vatikan, vor allem ins Geheimarchiv oder den Tätigkeitsbereich der Schweizergarde. Generell lernt man sehr viel Neues dazu und bekommt dabei noch einen guten Überblick über geschichtliche Geschehen.

Das Buch erweist sich insgesamt als sehr spannend und der Leser wird vor allem am Ende geschockt. Thriller sind heutzutage generell sehr beliebt, da wir Menschen es geradezu lieben schockiert und überrascht zu werden. Dan Brown schafft es in jedem seiner Bücher den Leser mit plötzlichen, unvorhersehbaren Wendungen zu überraschen und das Thema Religion spielt dabei immer eine wesentliche Rolle.

Portfolio "Religion in der Literatur" - 3 Religion heute



3 Wissenschaft und Gott

3.1 Die Wissenschaft und die Religion

Seit Jahrhunderten stehen sich Religion und Wissenschaft feindlich gegenüber. Da diese die Welt auf komplett unterschiedliche Weisen betrachten. Die Religion baut auf Glaube auf, wohingegen die Wissenschaft nach Forschung und Beweisen strebt. Daher ist es in der Vergangenheit zu zahlreichen Konflikten gekommen.


Im 15. Jahrhundert hat der Astronom und Physiker Kopernikus herausgefunden, dass sich nicht die Erde im Mittelpunkt des Sonnensystems befindet, sondern die Sonne. Bis zu diesem Zeitpunkt glauben alle Menschen, dass die Erde der Mittelpunkt des Kosmos sei. Dieses geozentrische Weltbild beherrscht das Denken des gesamten Mittelalters und steht im Einklang mit der Bibel. Das von Kopernikus wahre, heliozentrische Weltbild steht deshalb natürlich im Konflikt mit der Kirche und zeigt, dass Rom und somit der Sitz der katholischen Kirche, nicht der Mittelpunkt ist. Galileo Galilei stützt Kopernikus Entdeckung ebenfalls, jedoch droht ihm die Kirche mit dem Tod und er muss seine Forschungen widerrufen. Vielen Menschen ist sicherlich der Ausspruch „Und sie dreht sich doch“ bekannt, den der Forscher anscheinend nach seiner Anhörung geflüstert haben soll.


Im Zeitalter der Aufklärung trennen sich Staat und Kirche.  Außerdem wollen die Aufklärer die Offenbarungsreligion mit der sogenannten Vernunftreligion ersetzen, sehr zum Missfallen der Kirche. Die Menschen beginnen in dieser Zeit über Dinge weitergehend nachzudenken und über den Tellerrand hinauszublicken. Des Weiteren beginnen sie Dinge zu hinterfragen und nicht alles im Vorhinein zu glauben. Dazu kommt, dass die Religion den Menschen bessern und ihn zu einem sittlichen Wesen machen soll. Jedoch behaupten Aufklärer, dass diese Aufgabe genauso gut Erziehung und Bildung erfüllen kann. Man merkt die Kirch rückt immer mehr in den Hintergrund, da die Menschen laufend von neuen Lebensweisen und Erfindungen beeinflusst werden.

Im 19. Jahrhundert macht sich Charles Darwin mit seiner Evolutionslehre die Kirche zum Feind. Laut Darwin stammen wir Menschen vom Affen ab und sind nicht von Gott erschaffen worden. Viele Christen und Christinnen lehnen diese Theorie bis heute ab und glauben stattdessen an die biblische Schöpfungslehre.
Ein Argument der Kirche lautet: „Die Wissenschaft kann nicht beweisen, dass es einen Urknall gibt und deswegen muss es einen Gott geben“. Einen Beweis gibt es bis heute tatsächlich nicht, aber daraus folgt nicht automatisch, dass Gott existiert. Jeder Mensch sollte für sich selbst entscheiden, ob es für ihn persönlich Gott gibt oder man an etwas anderes beziehungsweise gar nichts glaubt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in den vergangen Jahrhunderten viele Menschen aufgrund ihrer Forschung von der Kirche hingerichtet worden sind. Der Konflikt zwischen Kirche und Wissenschaft dauert bis heute an und wird wahrscheinlich nie gelöst werden. Beispielsweise stempelt  die katholische Kirche das Thema Verhütungsmittel wie Pille, Kondome und Co. als ein absolutes Tabuthema ab. Stattdessen setzt die Kirche auf die Methode der natürlichen Familienplanung. Jedenfalls sollte jeder Mensch selbst entscheiden, an wen oder was er glaubt und welche Lebensweise er verfolgen möchte.
 

3.2 Goethes Faust

3.2.1 Inhalt

Am Anfang schließen der Teufel und Gott im Himmel eine Wette, da der Teufel davon überzeugt ist, dass er es schafft, Faust zu verführen und vom rechten Weg abzubringen. Doch Gott weiß, der Mensch irrt, solange er lebt.


Die Tragödie handelt von einem Wissenschaftler namens Heinrich Faust. Dieser strebt nach Bildung und möchte alles Wissen in sich vereinen. Doch er glaubt, es müsse noch mehr geben, und er denkt über den Sinn des Lebens nach. Daraufhin widmet er sich der Magie und beschwört einen Erdgeist, der ihn jedoch nur an seine Sterblichkeit erinnert. In tiefer Verzweiflung versucht sich Faust mit Gift umzubringen, aber dieser Selbstmordversuch wird durch das Läuten von den Osterglocken verhindert.
Tags darauf macht Faust zusammen mit seinem Assistenten Wagner einen Osterspaziergang. Dabei läuft ihm ein schwarzer Pudel zu und Faust beschließt diesen mitzunehmen. Im Studierzimmer verwandelt sich der Pudel in den Teufel Mephistopheles  mit dem Faust einen Teufelspakt eingeht. Der Teufel verspricht, Faust alle Wünsche zu erfüllen, jedoch muss dieser im Gegenzug dem Teufel seine Seele überlassen, wenn Mephistopheles es schafft, Faust Lebensglück zu vermitteln.

Zuerst besuchen Mephistopheles und  Faust einen Weinkeller, um den Wissenschaftler die Gesellschaft näher zu bringen und ihm zu zeigen, wie leicht sich das Leben leben lässt. Doch der Wein verwandelt sich in Feuer und die wütenden Gäste wollen auf den Teufel losgehen. Sie schaffen es aber rechtzeitig zu fliehen und finden sich in der Hexenküche wieder. Hier überredet der Teufel Faust einen Zaubertrank zu trinken, um auf die Frauen besonders begehrenswert zu wirken.

Daraufhin begegnet Faust das erste Mal dem jungen Gretchen. Er verlangt von Mephistopheles die Dirne für Faust zu beschaffen, da er andernfalls den Pakt löst.
Mephistopheles versucht mithilfe Gretchens Nachbarin den Wunsch zu erfüllen und bestätigt dieser, dass ihr verschwundener Mann tot sei. Außerdem legen Faust und der Teufel gestohlenen Schmuck in Gretchens Zimmer. Mephistopheles schafft es, eine Doppelverabredung in Marthes Garten zu arrangieren und dort kommt es zum ersten Kuss zwischen Faust und Gretchen.
Bei ihrem nächsten Treffen stellt Gretchen Faust die berühmte Gretchenfrage:
 „Nun sag, wie hast du´s mit der Religion?“[1]

Faust meint darauf, dass er nicht viel mit Religion und Glaube anfangen könne und es seiner Meinung nach keinen personifizierten Gott gäbe.
Am Ende überreicht Faust ihr ein Schlafmittel für ihre Mutter, damit sie sich am nächsten Abend heimlich lieben können. Jedoch tötet dieses Mittel Gretchens Mutter und Gretchen plagt ein schlechtes Gewissen. Als ihr Bruder Valentin davon erfährt, bietet sich dieser mit Faust einen bitterlichen Kampf und wird dabei von Faust erstochen. Faust und der Teufel flüchten und amüsieren sich in der Walpurgisnacht.
Als Faust erfährt, dass Gretchen schwanger gewesen ist, jedoch das neugeborene Kind getötet hat und zu Tode verurteilt ist, macht er den Teufel für das Unglück verantwortlich. Trotzdem hilft Mephistopheles ihm, Gretchen aus dem Kerker zu befreien. Doch diese weigert sich mit ihm zu gehen und wird von Gott von allen Sünden erlöst. Am Ende flieht Faust zusammen mit dem Teufel.


3.2.2 Interpretation


Goethe baut sein Werk auf der Geschichte des historischen Doktor Faustus auf, der ein wandernder Wunderheiler, Alchemist, Magier, Astrologe und Wahrsager gewesen ist.
In Goethes Faust werden dem Leser Werte wie Religion, Liebe, aber auch Wissenschaft übermittelt. Faust wünscht sich mehr vom Leben, ihm plagt das Verlangen die Welt „wirklich“ zu verstehen und zu erfahren, aus was diese sich zusammensetzt. Außerdem grübelt er über den Sinn des Lebens nach. Das bedeutet, ihm ist die Wissenschaft nicht genug, sondern er strebt danach, Dinge zu erfragen, die in keinem Lehrbuch zu finden sind. Dieser Wissensdurst plagt ihn und bringt ihn beinahe um.

„Habe nun ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem Bemühen,
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor“[2]

Der Teufel  verkörpert das Böse und überredet Faust des Öfteren zu schlimmen Taten. Denn anstatt sich gegen Mephistopheles  zu wehren, ist Faust nicht imstande dem Teufel zu widerstehen und beauftragt diesen mit seinen Wünschen. Verzicht gehört dabei nicht zu Fausts Stärken, da er beispielsweise Gretchen beim ersten Zusammentreffen sofort als Geliebte haben möchte und dafür zusammen mit Mephistopheles  am Ende sogar Gretchens Mutter und Bruder tötet.
Und doch ist es sein ausdrücklicher Wille, Gretchen aus dem Kerker zu retten und ihr zu helfen. Das verleiht ihm etwas Heldenhaftes und Romantisches.
Aber auch Gretchens Freundin und Nachbarin Marthe verfällt dem Teufel und sie versucht sich ihm anzunähern, obwohl sie erst vor Kurzen von ihm erfahren hat, dass ihr Mann tot ist.
Insgesamt unternimmt Mephistopheles   viele schreckliche Dinge, um den Wünschen von Faust nachzukommen. Er gibt vor, Marthes Mann sei tot oder stiehlt teuren Schmuck und dergleichen. Daran erkennt der Leser, wie böse der Teufel wirklich ist.

Goethe zeigt, dass wir Menschen es oftmals nicht schaffen zu verzichten und widerstehen und dadurch häufig vom rechten Weg abkommen. Jedoch macht der Prolog im Himmel deutlich, dass Gott uns diese Fehler verzeihen wird, da sich der Mensch oftmals irrt. Und auch Gretchen wird am Ende von ihren Sünden erlöst, weil sie sich Gott zuwendet und ihre Taten bitterlich bereut. Gott wird in der Tragödie als sehr gutherzig und verständnisvoll dargestellt.

Gretchen lässt sich als sehr religiös und gläubig bezeichnen und daher stellt sie Faust die bekannte Gretchenfrage. Doch dieser weicht aus, da er nicht viel von der Religion hält und außerdem einen Pakt mit dem Teufel eingegangen ist.

Margarete:
„Nun sag, wie hast du`s mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“
Faust:
„Laß das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut;
Für meine Lieben ließ´ ich Leib und Blut,
Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben .“ [3]
Doch mit Religion ist keinesfalls ausschließlich der Glaube an Gott gemeint. Viel mehr zählt dazu auch das Miteinander und gute Taten zu vollbringen.

Faust bezweifelt nie, dass es seiner Meinung nach keinen Gott gibt. Denn wenn er den Teufel persönlich kennt, muss es auch einen Gott geben, damit sich Gut und Böse ausgleicht. Jedoch erkennt der Leser, dass Faust nicht mit den strengen Regeln der Kirche einverstanden ist und Religion nicht erzwungen werden sollte. Des Weiteren hat er es nicht geschafft, vollkommene Erkenntnis über die Natur und Gott zu erlangen.

 Im Gegensatz dazu misst Gretchen der Kirche einen sehr hohen Stellenwert zu, da sie es so von ihren Eltern übernommen hat und die Gesellschaft übermittelt ihr ebenfalls die Wichtigkeit von Religion und Kirche. Deshalb flüchtet sie nach dem Tod ihres Bruders in die Kirche, um dort Erlösung zu erlangen, die sie am Ende auch bekommt. 

Letzten Endes kommen so gut wie alle Charaktere vom rechten Weg ab. Sogar das unschuldige Gretchen, das im Alter von nur 14 Jahren ihre Unschuld an Faust verliert und dabei auch noch unwissentlich ihre Mutter tötet. Die Protagonisten sind nicht imstande dem Bösen und somit dem Teufel zu widerstehen. Auch im wirklichen Leben kommen tagtäglich Menschen vom rechten Weg ab und begehen Fehler, doch das wirklich Wichtige ist, ob sie aus den Fehlern lernen oder sich bewusst für das Böse entscheiden.



[1] Faust, Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfang Goethe, Reclam Ausgabe 1986
[2] Faust, Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfang Goethe, Reclam Ausgabe 1986
[3] Faust, Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfang Goethe, Reclam Ausgabe 1986